Warum eigentlich keine Taliban?

 

Alle fremden Streitkräfte haben Afghanistan nunmehr verlassen. Auch für die Bundeswehr endete nach gut 20 Jahren der bisher sinnloseste Einsatz. Die letzten 264 Soldaten sind in Wunstorf gelandet und keiner der bundesdeutschen Politversager hielt es für notwendig, diese Männer und auch einige Frauen wenigstens wieder in der Heimat zu begrüßen. Dabei wurden sie alle von den Politversagern dorthin nach Afghanistan entsendet, um dort den sinnlosesten Einsatz einer Armee zeigen zu müssen. Niemand kam nach Wunstorf um der 59 Toten, die im Zusammenhang mit bei diesem sinnfreiesten Einsatz aller Zeiten ihr Leben ließen zu gedenken. Wofür ließen sie ihr Leben, wenn nicht einmal die, die sie in den Einsatz geschickt haben, dies würdigen?

Genauso wenig wurde der Hunderten Verwundeten und Traumatisierten gedacht, die von Bundeswehrverwaltung und sämtlichen Politversagern mit nie dagewesener Schäbigkeit behandelt, fast schon verachtet werden.

 

Insgesamt waren Jahr für Jahr zwischen 3.600 und 5.000 Deutsche im Kampf- und Ausbildungseinsatz, nach Amerikanern und Briten das drittgrößte Kontingent von ISAF, der Afghanistan-Schutztruppe der Nato. Der bundesdeutsche Einsatz hat insgesamt über 12 Milliarden EURO gekostet. Die hätte man sehr viel sinnvoller einsetzen können!

 

Ohne offizielle Bekanntgabe hat die NATO ihren Einsatz in Afghanistan beendet. In Brüssel bestätigten mehrere Diplomaten und Militärs, dass auch die im Land verbleibenden Truppen aus den USA und der Türkei mittlerweile vollständig unter der Führung der nationalen Kommandoketten stehen und den Rückzug vorbereiten. Einzig die Türkei lässt absprachegemäß Truppen im Lande, um den Betrieb des Flughafens von Kabul zu garantieren.

 

Begonnen hatte alles nach den Al-Quaida-Anschlägen vom 11. September 2001, nach denen George Bush jr. den Krieg gegen den Terror ausrief und das grausame Taliban-Regime in Afghanistan stürzen wollte, das der winzigen Terrortruppe um Osama bin Laden Unterschlupf und Trainingslager ermöglicht hatte. Die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder stimmte einem Bundeswehreinsatz begeistert zu. Es sollte ein kurzer, siegreicher Krieg werden. Das fehlende Uno-Mandat und der Nato-Einsatz außerhalb des Vertragsgebiets wurden schlichtweg ignoriert.

 

Gefaselt wurde vom Friedens- und Stabilitätseinsatz für die Demokratie und Freiheit, für Menschenrechte und freie Wahlen, die Befreiung der Frau von der Burka, den Schulbesuch von Mädchen und den Kampf gegen Drogen und Terror ein. Lügen und Beschwichtigungen sollten über die Risiken des Kriegseinsatzes am Hindukusch systematisch hinwegtäuschen. Es ging offiziell ja nur um den Bau von Schulen, Kliniken und Brunnen, so als ob Soldaten bewaffnete Sozialarbeiter und Ziviltechniker sind.

 

Es gelang den US-Amerikanern und den (Zwangs-) „Verbündeten“ zunächst mit Hilfe der „Nordallianz“ aus wenig zimperlichen usbekischen und tadschikischen Kriegsherren, das ihnen verhasste Taliban-Regime der Paschtunen in Kabul zu stürzen. Die „Westliche Wertegemeinschaft glaubte, man könne in Afghanistan mit viel Geld von außen eine parlamentarische Demokratie errichten. 300 regierungsfinanzierte Hilfsorganisationen aus 50 Geberländern stürzten sich unter Militärschutz auf das Land, wo ein chaotischer Wirrwarr angerichtet wurde. Man wollte das Land Zwangsbeglücken, egal ob die Usbeken und Tadschiken dort dies überhaupt wollten.

 

Ein Land im ständigen Krieg sollte mal eben auf die Schnelle umgekrempelt werden. Nach 40 Jahren Krieg, in einem Land mit 70 Prozent Analphabeten, ohne Elektrizität auf dem Land und seiner Stammesorganisation mit jahrhundertealten Fehden war Afghanistan mit der modernen, aufgedrückten Lebensweise überfordert. Ohne eine effektive Rechtsordnung funktionierte die staatliche Verwaltung trotz aller teuren ausländischen Berater vom Präsidenten bis hinunter zum Dorfpolizisten nur nach dem Bakschisch-Prinzip.

 

Die afghanischen Stammesgesetze haben nie aufgehört zu gelten. Die „demokratische“ Regierung ist durchgehend korrupt und die Justiz handelt nach der Scharia. D.h., dass brutal und gnadenlos bestraft wird. Köpfungen, Auspeitschungen, Steinigungen sind dabei „normal“.

 

Man wollte einen Schwerpunkt auf Ausbildung und Ausrüstung von Armee und Polizei legen. Das Ziel war 300.000 afghanische Soldaten und 82.000 Polizisten auszubilden, die mittelfristig bei der Demokratisierung im Land unterstützen sollten. Allesamt gelten heute dort als Kollaborateure und wollen Afghanistan verlassen, um der Hinrichtung zu entgehen. So werden die allermeisten statt zu kämpfen nach Deutschland „evakuiert“ werden. Natürlich!  - Werden die dann – im Gegensatz zu den heimgekehrten Soldaten – wieder jubelnd von den Gutmenschen beklatscht?

 

Doch bleiben wir im kriegsgebeutelten Land. Nach 20 Jahren westlicher Besatzung steht Afghanistan davor, den eigentlich nur unterbrochenen Bürgerkrieg fortzusetzen. Zivilisten werden aufgerufen sich zu bewaffnen und die verbliebenen Sicherheitskräfte zu unterstützen, damit die Taliban nicht Kabul und andere große Städte erobern. Auf dem Land, bei den Bauern ist dies längst passiert oder eigentlich war es dort nie anders. So waren es die Taliban, die große Opiumfelder niederbrannten, die später von Bundeswehrsoldaten und andren Streitkräften bewacht wurden. Taliban haben auch im März 2001 die Buddha-Statuen von Bamiyan zerstört. Aber müssen wir sie deshalb hassen? Haben nicht auch Christen schon Kulturgüter vernichtet? Hier sei nur an die dem Islam preisgegebene Hagia Sophia, die Sophienkirche, erinnert, eine in christlicher Tradition von 532 bis 537 n. Chr. erbaute, byzantinische Kirche.

 

Im Zuge der aktuellen Taliban-Offensive haben in manchen Bezirken kapitulierende Regierungssoldaten sogar ihre Ausrüstung dem Feind überlassen, teilweise aufgrund der Überzeugung, dass die Regierung im Zuge des vollständigen US-Abzugs aus Afghanistan noch im Verlaufe dieses Jahres zum Scheitern verurteilt ist. Der chaotische Rückzug der USA u. a. machte deutlich, dass es womöglich keinen klaren Plan für eine Missions-Übergabe an das afghanische Militär gab. Nach zwei Jahrzehnten Besatzung flohen die letzten US-Truppen regelrecht wie Diebe in der Nacht und ohne eine geordnete, militärische Übergabe an die afghanischen Streitkräfte vor Ort.

 

Die Taliban sind eine hauptsächlich paschtunische Kraft und werden als solche auch international angesehen. Neben den Paschtunen machen Tadschiken und Hazara andere große Volksgruppen in Afghanistan aus. Obwohl Paschtunen die größte ethnische Gruppe mit einer Bevölkerung von 16 Millionen, also fast 40 Prozent der afghanischen Bevölkerung bilden, sind aber alle Paschtunen nicht auch zugleich Anhänger der Taliban. Insbesondere ein Teil von ihnen sind auch Schiiten. Die Taliban repräsentieren höchstens 30 Prozent der multiethnischen Gesellschaft Afghanistans und sind im Grunde sunnitische Paschtunen. Aufgrund dieser Zusammensetzung der Bevölkerung und der sich daraus ergebenden ethnischen Konflikte werden sich auch die Taliban niemals landesweit als alleinige Herrscher durchsetzen können. So wird es nur eine Frage von Monaten sein, bis sich auch in Afghanistan der Terror des IS (Islamischer Staat) zeigen wird.

 

Tausende von Häftlingen haben die US-Truppen im Militärgefängnis Bagram zurückgelassen. Nur einige Hundert davon sind Kriminelle, die meisten sogenannte Terroristen von IS und Al-Qaida. Eine Revolte dort werden die afghanischen Sicherheitskräfte kaum in den Griff bekommen.

 

[ Warum sind wir gegen die Taliban?

Warum sind wir gegen die Taliban? Wieso sind wir gegen Afghanistan? Wer sind die Taliban? Wenn die Taliban einen religiösen Staat wollen, so sei es.

Wie der Vatikan, zum Beispiel. Sind wir von ihm bedroht? Nein. Es ist ein religiöser und friedlicher Staat.

Wenn die Taliban ein islamisches Emirat schaffen wollen, wer sagt, dass sie dann Feinde sind? Ist Bin Laden ein Taliban oder ein Afghane? Nein. - Er ist weder Taliban noch Afghane.

 

Waren die Terroristen, die New York angriffen, Taliban oder Afghanen? Nein.

Was war dann der Grund für die Kriege gegen Afghanistan und Irak?

 

Afghanistan den Afghanen

Wenn ich meine amerikanischen und britischen Freunde täuschen wollte, dann würde ich ihnen sagen, sie sollten mehr Truppen schicken und in diesem Blutbad ausharren.

Aber sie würden in Afghanistan und im Irak nie gewinnen.

Was geschah mit ihnen im Irak, einem Land, das aus Wüste besteht.

Im gebirgigen Afghanistan wird es noch schlimmer werden.

 

Falls ich sie täuschen wollte, dann würde ich ihnen sagen, den Krieg im Irak und Afghanistan fortzuführen.

Im Gegenteil. Ich möchte die Bürger der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und anderer Länder schonen, die im Irak und Afghanistan kämpfen.

Ich rate ihnen: Überlasst Afghanistan den Afghanen, überlasst Irak den Irakern!

Wenn sie sich bekämpfen wollen, können sie es tun.

 

Warum stehen Truppen in Afghanistan?

Die USA hatten ihren Bürgerkrieg, und niemand hat sich eingemischt.

Es gab Bürgerkriege in Spanien, China und Ländern auf der ganzen Welt.

Überall auf der Welt gab es Bürgerkriege. Falls die Iraker sich also gegenseitig bekämpfen wollen, sollen sie ihren Bürgerkrieg haben.

 

Wer sagt, dass die Taliban, wenn sie einen Staat gründen würden, interkontinentale Raketen besitzen würden, mit denen man New York beschließen könnte?

 

Kamen die Flugzeuge von Afghanistan oder aus dem Irak? Nein. Sie starteten von amerikanischen Flughäfen.

Warum wird dann Afghanistan angegriffen? Waren die Terroristen Taliban oder Iraker?

Warum schweigen wir? Wir dürfen keine stillen Mittäter werden.

 

Alle, die nicht die Wahrheit sagen, sind Mittäter. Wir setzen uns für den internationalen Frieden und Sicherheit ein.

Wir wollen die Menschheit nicht lächerlich machen. Wir wollen sie retten. ]

 

Kommen wir noch einmal kurz auf die von der Bundesregierung nicht begrüßten Bundeswehrsoldaten zurück. Niemand aus Regierungskreisen hat dieses unehrenhafte Polit-Verhalten bisher zugegeben, allerdings muss wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Reihen der Politversager eine Diskussion stattgefunden haben und man musste dem Druck der öffentlichen Meinung, die insbesondere mal wieder durch die „alternativen“ Medien aufgezeigt wurde, nachgeben. Politkreise wollen nun im Nachhinein am 31. August 2021 das Ende des fast zwanzigjährigen Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan doch noch würdigen.

 

Auf dem Berliner Gelände des Verteidigungsministeriums wird dann im Innenhof, unter Ausschluss des Volkes, ein militärischen Appell zur offiziellen Beendigung des Einsatzes, eine Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer, eine Ansprache der Ministerin und des Bundespräsidenten sowie Gespräche mit Veteranen, Angehörigen und Hinterbliebenen (na die werden sich freuen!) stattfinden. Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestages setzten außerdem durch, dass sich ein „Großer Zapfenstreich“, das höchstrangige militärische Zeremoniell der Bundeswehr, vor dem Reichstagsgebäude doch noch öffentlich anschließt. Ihrem Charakter als „Parlamentsarmee“ soll auf diese Weise Ausdruck gegeben werden.

Es gibt diese „Parlamentsarmee“ übrigens nur einmal auf unserem Planeten Terra, was aber durchaus kein Ruhm- und Ehrenzeichen ist!

 

 

Frank Jeske / Terra-Kurier 21.7.2021

 

Bei dem Text in eckigen, blauen Klammern [   ], handelt es sich um einen Auszug aus einer Rede des
libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi (*7.6.1942, ermordet 20.10.2011) vor der Generalversammlung der UNO am 1. Oktober 2009.