Politik in Nahost, das totale Versagen der westlichen Wertegemeinschaft!

 

 

Ein Gastbeitrag von unserem Leser Holger K.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

Wikipedia mehrfach

Tagespresse

Stern Zeittafel 1870

Weltbild

De 1971

Wissen Digital

Mohamed und der Islam

 

Der Dauerkonflikt zwischen Sunniten und Schiiten droht mit dem Sieg der Taliban in Afghanistan auf einen neuen Höhepunkt zuzustreben.

 

Viele Europäer (und erst Recht die US-Amerikaner) haben den Kern dieses religiösen Konfliktes im Nahen Osten bis heute nicht verstanden. Alles begann bereits im Jahre 632 mit dem Tod des „Propheten“ Mohamed!

 

Ihr Religionsstifter war kaum beerdigt, da stritten seine Anhänger sich auch schon um seine Erb und Nachfolge wie die Kesselflicker!

 

Die wohl zahlenmäßig größte Gruppe waren die Anhänger des Omaijaden-Clans. Sie waren allesamt Angehörige des, die Region um Mekka bevölkernden Stammes der Quraisch (dem auch Mohamed selber angehört hatte).

 

Sie behaupteten, das Mohamed keine Erbfolgeregel hinterlassen hätte und bestanden auf ein traditionelles Wahlrecht (Sunna >> „nach altem Brauch, alter Norm“ daher der Begriff Sunniten) unter den Stammesführern (nicht unter dem Volk, das wäre ja auch wohl noch schöner gewesen). Dieser Konflikt führte dann später zum bekannten, mittelalterlichen Herrschaftssystem der islamisch/religiösen Kaiser, der Kalifen.

 

Zwischen Mohamed und seinen Stammesbrüdern bestand dabei durchaus nicht immer das Beste Einvernehmen, da der Prophet die, unter den Quraisch weit verbreitete Vielgötterei nicht akzeptieren wollte, musste er zeitweise sogar vor den eigenen Stammesbrüdern nach Medina fliehen und mit dem eigenen Volk einen blutigen Bürgerkrieg austragen. Dabei war das Leben Mohameds durchaus in Gefahr, die Quraisch hätten ihn getötet, wenn sie seiner Person habhaft geworden wären!

 

Als nun, nach dem Tode des Propheten, die Nachfolgeregelung anstand, ging der Ärger erst richtig los. Eine kleinere Gruppe von gläubigen Moslems lehnten die Versuche des Omaijaden Clans zur Machtübernahme ab und bestanden darauf, dass der Nachfolger von Mohamed auch aus seiner Blutslinie stammen müsste. Sie behaupteten zudem, dass Mohamed noch zu Lebzeiten seinen Vetter und gleichzeitigen Schwiegersohn Ali, zu seinem Nachfolger ernannt habe!

 

Für diese Behauptung der Schiiten gibt es in einer Rede Mohameds, die er in Ghadir Chumm -einer Wasserstelle an einer Ruinenstätte- zwischen Medina und Mekka, am 10 März 632 (kurz vor seinem Tod) vor mehr als 100.000 Pilgern gehalten hatte, durchaus einen Beweis!

 

Wörtlich sagte er zu den Gläubigen: „Wessen Gebieter (im Sinne von Führer) ich bin, dessen Gebieter ist auch Ali“! 

 

Die Anhänger dieser Richtung des Islam nennen sich Schiiten. Abgeleitet wurde das vom Begriff „Schiat Ali“ (Partei Alis), daher der Name „Schiiten“!

 

Zunächst, nach einigen Wirrnissen mit anderen Kandidaten, die zunächst von den Schiiten akzeptiert wurden, weil sie allesamt aus der direkten Gefolgschaft Mohameds stammten, wurde Ali dann von 656 bis 661 als Kalif tatsächlich religiöser und weltlicher Führer der islamischen Welt. Nach seinem Tod aber kam es unter den Moslems zu einem blutigen Bürgerkrieg.

 

Der Omaijaden-Clan wollte nun die gesamte Macht und akzeptierte deswegen Mohameds Erbregelung nicht. Natürlich ging es dabei jetzt nicht nur um Glaubensfragen, mit der Kontrolle der heiligen Stadt Mekka (bis heute) verdienen sie und ihre saudischen Erben daran natürlich auch ein schönes Stückchen Geld (die Einnahmen aus den jährlichen Pilgerfahrten von Millionen von Gläubigen sind fast größer als die aus dem Erdöl).

 

Am 10. Oktober 680 kam es zur Schlacht bei Kerbela im heutigen Irak. Dabei ist neben dem -vor allem wegen seiner Güte- allseits sehr beliebten Sohn Alis, Husain auch fast die gesamte Führungsriege der Schiiten ums Leben gekommen. In Kerbela gibt es deshalb auch eine Moschee in der seinerzeit Husain beigesetzt wurde (diese wurde während des Bürgerkrieges nach dem Sturz von Saddam Husain zerstört und geschändet).

 

Der Dauerkonflikt zwischen Sunniten und Schiiten tobt bis heute und entzweit die islamische Welt. Fürchterlichste Gräueltaten, bis hin zum Völkermord wurden in diesem Konflikt bald die Regel.

 

Erst nachdem die Osmanen (Türken) im 16 und 17 Jahrhundert den Nahen Osten erobert hatten und sich ihr Padischah (türkischer Kaiser, Wörtlich „Großherr“), der für sein Volk den Islam angenommen und sich zum Kalifen gemacht hatte, eingriff, kehrte eine wenigstens oberflächliche Ordnung ein.

 

Die Türken praktizierten eine relative Religionsfreiheit gegenüber allen anderen Religionen (Glaubensfreiheit gegen Sondersteuern). Sie duldeten dabei aber keinerlei Renitenz oder Auflehnung in den eroberten Gebieten. Gegenüber den starken Heeren des Padischahs beruhigten sich die Streithähne dann zumindest oberflächlich etwas (die Osmanen waren eigentlich eher liberale Herrscher, man konnte gut unter dem Schutz des Padischahs leben, aber wer es wagte gegen ihre Fremdherrschaft aufzubegehren hatte eine eher „geringe Lebenderwartung“).

 

Mit dem Ende des osmanischen Reiches nach dem ersten Weltkrieg aber, war es mit dem Frieden und der Ruhe im Nahen Osten wieder vorbei. Das saudische Königshaus die direkten, mit Hilfe Englands an die Macht gekommenen, Erben der Omaijaden-Herrscher, haben die sunnitische Glaubensrichtung heute wieder fest im Griff. Die Schiiten stellen unter den Moslems heute mit etwa 15% eher eine Minderheit. Allerdings hat diese mit dem Iran (Persien) eine örtliche Großmacht an ihrer Spitze mit der man rechnen muss!

 

Da heute aber jede Art von ordnender Hand im Nahen Osten fehlt (ich behaupte einmal durchaus mit Absicht), versinkt diese Region zurzeit mal wieder in einem Meer von Blut und Tränen. Neben Persien stellen die Schiiten auch im Irak, in Oman, im Libanon, in Aserbeidschan, in Bahrein und im Jemen starke bis hin zu mehrheitlichen Bevölkerungsgruppen. Die US-Amerikaner waren nicht dazu in der Lage oder willens, hier für eine akzeptable öffentliche Ordnung zu sorgen. Jetzt, mit ihrem erbärmlichen Versagen in Afghanistan, droht dort eine neue Qualität des Terrors. Die Taliban sind nämlich stramme Sunniten, ihre religiöse „Grund-Ausbildung“ erhielten sie von Osama Bin Laden (und der war ein Saudi). Darüber hinaus aber lieferten die US-Amerikaner seinerzeit den Taliban auch noch die Waffen und die Ausrüstung die sie jetzt gegen die USA und Europa einsetzen (sie sollten damit eigentlich gegen die Russen kämpfen, jetzt bekommt der Westen seine eigene Medizin zu schlucken). Obwohl die Taliban (heißt eigentlich „Studenten“, im Sinne von Religionsschülern) nicht die Mehrheit in der afghanischen Bevölkerung stellen, haben sie damit wohl die stärkste „Durchschlagskraft“.

 

Damit dürfte der nächste Völkermord und auch die nächste Fluchtwelle nach Europa wohl unmittelbar bevorstehen. Amerika schafft die Probleme, und Europa darf sie Ausbaden, die einzige Macht die jetzt wohl noch für Ordnung sorgen könnte, bildet eben das stramm schiitische Persien!

 

Dieses ist dabei durchaus nicht als der religiös-fanatischer Staat anzusehen als der er uns verkauft wird. Im Iran gibt es eine, sogar gesetzlich geregelte, Religionsfreiheit (sogar eine freie jüdische Gemeinde lebt in Persien friedlich und außerhalb jeder Verfolgung) die von den Mullahs strikt eingehalten wird. Neben Christen und einer sunnitischen Minderheit gibt es selbst die Antike persische Ur Religion des Zoroaster-Kultes (auch Zarathustra) nach wie vor im Land. In anderen Regionen des Nahen Ostens werden diese Leute, ebenso wie die Christen, blutig verfolgt. Hier zeigt sich bei dem, in der Propaganda-Presse des Westens so übel beleumdeten Persern, eine Toleranz, die man bei den Saudis und ihren sunnitischen Anhängern (also den „Freunden“ des Westens) vergeblich sucht. Doch bei der geistig verkümmerten Haltung unserer „westlichen Wertegemeinschaft“ gegenüber dem Iran ist wohl nicht davon auszugehen, dass diese dazu in der Lage sein wird diese Funktion als Ordnungsmacht zu übernehmen. Interessant auch das Verhalten der alten Ordnungsmacht und des jetzigen NATO-Partners Türkei. Unter Präsident Erdogan ist das Land gerade dabei sich in einen sunnitischen Gottesstaat zu verwandeln. Erdogans hat Nachweislich die IS-Terroristen mit Waffen und Gerät unterstützt (darüber gibt es im Netz sogar Filmaufnahmen). Trotzdem hoffen viele Menschen in Europa und den USA geradezu kindlich naiv, dass die Türkei auch künftig als unser Partner handeln wird. Bloß mit Persien, dem einzigen Land das es wirklich könnte, und es auch wohl machen würde, will sich keiner einlassen.

 

Wie heißt es so schön? - „Wen die Götter vernichten wollen den strafen sie mit Blindheit!“

 

Holger K. - Terra-Kurier / 26.08.2021