Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?

 

Die Anzahl der freilebenden Wölfe nimmt in Deutschland rapide zu. In dünn besiedelten Gebieten sieht inzwischen jeder vierte Bewohner dies als persönliche Gefahr. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online.de hervor. In sehr dicht besiedelten Gebieten, wie etwa den Städten, fürchteten lediglich knapp 14 Prozent der Befragten Wolfsangriffe. Insgesamt gaben fast 80 Prozent der Befragten an, sie hätten keine Angst vor dem Wolf. Rund 18 Prozent sagten, die Ausbreitung der Tiere ängstige sie.

Größte Sorge haben der Umfrage zufolge Menschen im Rentenalter. So äußerte sich jeder Fünfte von ihnen entsprechend. Am wenigsten Angst hatten Jugendliche zwischen 18 und 29 Jahren: Von diesen brachte nur jeder Zehnte Befürchtungen eines Wolfsangriffs zum Ausdruck.

 

                                   

 

Bisher wurde noch kein Wolfsangriff auf Menschen bekannt. Allerdings sind die, entgegen der Behauptungen durch fanatische Naturschützer, durchaus möglich und gelten auch aus alter Zeit als mehrmals belegt. Was auch der Grund für die Ausrottung des Wolfes in weiten Teilen Mitteleuropas war.

 

Aktuell belegt ist allerdings, dass Wölfe in Deutschland deutlich mehr Nutztiere angreifen. Mit der Ausbreitung des Wolfsbestandes ist auch die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere bundesweit stark gestiegen. Das beweisen Zahlen der zuständigen Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW). Laut der Schadensbilanz 2017 nehmen die von Wölfen verursachten Schäden zu. Die Zahl der Angriffe sei um knapp 66 Prozent auf 472 gestiegen. Die Zahl der dabei getöteten, verletzten oder vermissten Tiere beziffert die Dokumentationsstelle auf 1667, das seien fast 55 Prozent mehr als noch 2016.

 

Bei den von Wölfen von 2002 bis 2017 getöteten oder verletzten Nutztieren in Deutschland habe es sich zu 85,9 Prozent um Schafe oder Ziegen, neun Prozent um Gatterwild und in 4,8 Prozent der Fälle um Rinder (meist Kälber) gehandelt, berichtet die DBBW auf ihrer offiziellen Webseite. Die meisten Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere soll es demnach vor allem dort geben, wo Wölfe sich in neuen Territorien etablieren und die Schaf- und Ziegenhalter sich noch nicht auf deren Anwesenheit eingestellt haben. Die deutsche Bundeslandwirtschaftsministerin, Julia Klöckner, forderte eine „gemäßigte Bestandsregulierung“ der Wölfe durch Abschuss einzelner Tiere. Dem Bericht der Dokumentationsstelle zufolge helfe ein Abschuss allerdings, wenn überhaupt, nur kurzfristig. „Um die Probleme dauerhaft möglichst gering zu halten, hilft es nur, Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet flächendeckend zu schützen“. Wie, wenn nicht durch Abschuss der Wölfe, ließ der Verbandssprecher der DBBW allerdings offen.

 

Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hatte im November 2018 ein Papier beschlossen, in dem sie sich dafür ausspricht, den Schutzstatus von Wölfen auf europäischer Ebene von „streng geschützt“ auf „geschützt“ zu senken. Dadurch wäre eine Jagd bei Überschreiten bestimmter Bestandsgrenzen erlaubt. Bisher dürfen nur verhaltensauffällige Tiere in Einzelfällen erlegt werden. Die Union machte sich in dem Papier auch für wolfsfreie Zonen etwa in wirtschaftlich genutzten Gebieten stark.

 

Der Wolf (Canis Lupus) ist eines der am weitesten verbreiteten Säugetiere der Erde und wurde in weiten Teilen West- und Mitteleuropas im 18. und 19. Jahrhundert ausgerottet. Die letzten Reproduktionsnachweise des Wolfes stammen für das heutige Gebiet Deutschlands aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zum ersten Mal nach langer Abwesenheit wurden im Jahr 2000 wieder wildlebende Wölfe in Deutschland, in der sächsischen Lausitz, geboren. In Brandenburg erfolgte die erste territoriale Ansiedlung eines Wolfspaares im Jahre 2007 im äußersten Südosten des Landes. 2009 wurden erstmals seit über einem Jahrhundert Wolfswelpen in Brandenburg aufgezogen. Seitdem ist der Bestand kontinuierlich angewachsen. Heute leben bereits 26 Wolfsrudel und 12 Einzelpaare in 38 Territorien Brandenburgs. Bei den 12 Paaren konnte dank guter Zusammenarbeit vieler Mitwirkender bei der Wolfsbeobachtung (unter anderem regionale Wolfsbeauftragte und Jäger) im laufenden Wolfsjahr (2018/2019) Reproduktion nachgewiesen werden. So kann man aktuell für das Land Brandenburg inzwischen von 38 Rudeln ausgehen.

 

Wölfe brauchen keine Wildnis um sich niederzulassen – sie kommen überall zurecht, wo sie genug zu fressen finden und der Mensch sie leben lässt. Dass sie sehr flexibel sind, zeigt auch ein Blick auf andere europäische Länder: In Spanien leben Wölfe unter anderem inmitten von riesigen Agrarmonokulturen, in Italien kommen sie bis in die Vororte von Rom.

In Deutschland gibt es laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz in jedem Bundesland geeignete Regionen für Wölfen, außer in den drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen. Die Studie zeigt aber auch, dass es viele Gegenden gibt, in denen vermutlich nie Wölfe leben werden. Zum Beispiel, weil es zu wenig Wild oder zu viele Straßen gibt. Daher geht man davon aus, dass Deutschland nie flächendeckend, sondern eher einem Flickenteppich ähnelnd, von Wölfen besiedelt wird. Andererseits haben sich in Großstädten wie Hamburg und Berlin längst schon etliche Füchse etabliert, die inmitten der Stadt wunderbar leben, da natürliche Feinde fehlen. Ganz so hätte auch der Wolf genügend Möglichkeiten und keine natürlichen Feinde in einer Großstadt. Ist es also nur noch eine Frage der Zeit bis auch der Wolf sich soweit anpasst und die Städte heimsucht? Wölfe gelten als sehr anpassungsfähig und bewohnen die unterschiedlichsten Gegenden, von den arktischen Tundren bis zu den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens.

 

Der europäische Wolf wird 70 bis 90 cm groß (Schulterhöhe) und bis zu 140 cm lang. Optisch ähnelt er einem großen Haushund. Allerdings sind Wölfe hochbeiniger und die Rückenlinie verläuft gerade, während sie beim Hund zum Schwanz hin abfällt. Außerdem ist der Schwanz gerade und buschig. Wölfe haben kleinere Ohren, die auch innen dicht behaart sind. Männchen werden meist größer und schwerer als Weibchen. Das Fell europäischer Wölfe variiert zwischen gelblichgrau, über graubraun bis dunkelgrau. Die Unterseite der Schnauze und die Kehle sind heller, die Rückseiten der Ohren rötlich. Das Rückenfell hat häufig einen schwarzen Sattelfleck. Schwarz sind oft auch die Schwanzspitze und die Vorderseiten der Beine. Er besitzt eine ausgezeichnete Nachtsichtigkeit bei einem Blickwinkel von 250 Grad. Auch der Geruchssinn ist hervorragend – Beutetiere kann er auf 2,5 Km Entfernung riechen. Er durchstreift täglich sein Revier und legt dabei bis zu 45 Km zurück. Er erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 45 Km/h.

 

Als Großraubtier sind seine Beute vor allem Rehe, Rothirsche und Wildschweine. Aber auch kleinere Tiere stehen auf der Speisekarte. Dabei macht der Wolf vor allem auf ältere, kranke oder junge Tiere Jagd, da sie eine leichte Beute sind. So übernimmt der Wolf eine wichtige Rolle im Ökosystem, weil er die Bestände, vor allem der mittelgroßen Huftiere, auswildert. Sind Nutztiere wie Schafe, Schweine (Ferkel) oder Ziegen in der Nähe eines Rudels, wird es irgendwann passieren, dass der Wolf auch hier Beute macht. Hier helfen spezielle Wolfschutzzäune und Herdenschutztiere, wie z.B. Schäferhunde.

 

Woran erkennt man einen Wolfsriss?

·                     Tödliche Bissverletzungen an Hals oder Kehle mit Unterhautblutungen (Hämatomen)

·                     Bauchraum meist geöffnet und innere Organe meist unversehrt

·                     größere Menge an Fleisch innerhalb einer Nacht gefressen

·                     meist relativ lange Schleifspur (>10 m) in Richtung Wald oder anderer Deckung

 

Bei einem Nutztierriss sollte sich der betroffene Tierhalter unverzüglich an das zuständige Landratsamt, die landwirtschaftliche Fachberatung oder an die Polizei wenden. Das zuständige Amt schickt in der Regel einen Nutztierrissgutachter, der die Untersuchung des Kadavers nach Hinweisen vornimmt. Daher ist es wichtig, beim Auffinden von toten Tieren, keine Spuren oder sonstige Hinweise in der Umgebung zu verwischen. Decken Sie den Kadaver zum Schutz vor Aasfressern mit einer Plastikfolie oder Ähnlichem ab.

 

Für ein Nutztier, das von einem Wolf gerissen wurde, kann eine Ausgleichszahlung beantragt werden. Voraussetzung dafür ist die amtliche Feststellung der Todesursache, die durch eine detaillierte Untersuchung des Tierkörpers und Dokumentation durch einen Nutztierrissgutachter oder Veterinär belegt sein muss. Wird ein Wolf als Verursacher festgestellt, wird in der Regel eine Entschädigung gezahlt. Laut Bundesamt für Naturschutz wurden im Jahr 2015 von den Bundesländern mit Wolfsvorkommen zusammen 107.783 Euro an Ausgleichszahlungen für Schadensfälle geleistet, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde.

 

Solange der Wolf nicht in die dichter besiedelten Gebiete massiv vordringt, leben wir noch in relativer Sicherheit. Auch wenn uns das Schicksal eines Rotkäppchens und ihrer Großmutter erspart bleiben wird, ist doch größte Vorsicht und ein „wehret den Anfängen“ angesagt.

 

Nicht nur für „Rotkäppchen“ gefährlich!

Bei aller Freude über die Rückkehr der Wölfe wird übersehen, dass die Raubtiere über Jahrhunderte hinweg als echte Landplage empfunden wurden.

Aktuell wurden allein für Frankreich über 10.000 Angriffe auf Menschen registriert. Bei uns zählt niemand, hier wird verharmlost!

 

Frank Jeske