Benzin aus Holz und Kohle

 

Während und nach dem 2. Weltkrieg bestanden zahlreiche Engpässe in allen Bereichen des Lebens. Es mangelte an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Treibstoffen. In dieser Notzeit besinnen sich die Menschen auf eine ihrer wichtigsten Ressourcen, den Wald. Holzvergaser ersetzen fehlende Benzin- und Dieselkraftstoffe und Waldfrüchte finden vielerorts den Weg in die Küchen: So wurde beispielsweise aus getrockneten und gemahlenen Bucheckern vermengt mit Mehl Brot gebacken, aus Eicheln und Bucheckern Kaffee gekocht und junge Buchenblätter dienten als Salatersatz. Ohne den Wald hätte sich damals das tägliche Leben sicherlich nicht so schnell „normalisiert“.

 

 

Benzin aus Holz, geht das?

Wie so viele wissenschaftliche Höchstleistungen, Erfindungen und Patente wurden vor 1945 in Deutschland der Not gehorchend auch Verfahren entwickelt, aus Steinkohle Benzin herzustellen: die Kohlehydrierung.

Bis zum Kriegsende produzierten 27 Werke nach verschiedenen Verfahren bis zu 6,5 Millionen Jahrestonnen Treibstoff durch Kohleverflüssigung. Um diese Menge einordnen zu können, hier ein Vergleich: 1967 hatte die Bundesrepublik Deutschland einen Treibstoffverbrauch von 12,5 Millionen Tonnen. Mehr als die Hälfte des Jahresverbrauchs wäre also schon damals durch eigenes, aus Kohle gewonnenes Benzin zu decken gewesen. Aber wer Energie hat, der hat auch Macht, eigene Energie bedeutet nationale Macht und Unabhängigkeit. Kein Wunder also, dass die alliierten Besatzer durch die Kontrollratsgesetze die Kohlehydrierung nach dem Krieg verboten haben. (siehe Kontrollratsgesetz Nr. 23 vom 10. April 1946) Da man also aufgrund der „Befreiergesetze“ auch vom Benzin aus Kohle befreit wurde, blieb den Denkern damals nur die Erfindung von Benzin / Treibstoff aus Holz.

 

Die Generatoren wurden außen an die Karosserie gebaut oder als Anhänger mitgeführt. Die technische Anlage dazu, der Holzvergaser, wurde mit Brennholz befüllt und funktionierte als Festbettvergaser. Durch Erhitzen entwich aus dem Holz das brennbare Gasgemisch (Holzgas), dessen Bestandteile neben dem nicht brennbaren Stickstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf hauptsächlich aus Kohlenmonoxid und Methan sowie kleineren Anteilen von Ethylen und Wasserstoff bestanden. Bis in die frühen 1950er Jahre waren in Deutschland mit Sonderführerschein etliche Kleinlastwagen im Einsatz, für die nur geprüfte und freigegebene Buchenholzscheite verwendet werden durften. Dabei konnte ca. 1 Liter Benzin durch die aus 3kg Holz gewonnene Gasmenge ersetzt werden. Das speziell für die Holzvergasung getrocknete und in die richtige Größe zerkleinerte Holz wurde als Tankholz bezeichnet und in sogenannten Tankholzwerken produziert und bevorratet.

 

 

Kohleverflüssigung – „alles vergessen“?

Im Schock der Ölkrise 1973 erinnerte man sich. Am 6.11.1973 titelte die Neue Ruhr Zeitung (NRZ): „Kohle in Hydrieranlagen zu Treibstoff zu verflüssigen, ist nicht neu. Inzwischen hatte man jedoch dieses Verfahren schlicht vergessen.“ Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern geradezu lächerlich. Nachdem das Verbot von der alliierten Hohen Kommission mit dem Gesetz A-38 vom 5.5.1955 aufgehoben wurde, hätte man mit der großtechnischen Hydrierung starten können. Schon 1969 wurde von anerkannten Fachleuten der damaligen Bundesregierung, eine Studie über die Kosten von Kohle-Benzin vorgelegt. Beim damaligen Kohlepreis von 60 DM je Tonne hätte ein Liter Kohle-Benzin 18,2 Pfennig gekostet. Bei einer Senkung der Mineralölsteuer für Kohle-Benzin um wenige Pfennige wäre die Kohlehydrierung schon damals mehr als wettbewerbsfähig gewesen!

 

 

Es fehlen einem die Worte!

Von 1977 bis 1980 zeigten sieben im Kleinstmaßstab errichtete Pilotanlagen zur Kohleverflüssigung unter Weiterentwicklung der vor 1945 betriebenen Anlagentechnik positive Versuchsergebnisse auf. Daraufhin wurde im Januar 1980 ein Programm zur großtechnischen Kohlevergasung und -verflüssigung aufgelegt. Es sah 14 Projekte zur großmaßstäblichen Kohleveredlung mit einem Investitionsbedarf von 13 Milliarden DM und einem Einsatz von 10 Millionen Tonnen Stein- und 12 Millionen Tonnen Braunkohle vor. Diese auf heimischen Reißbrettern entwickelte Kohleverflüssigung gilt weltweit als führende Technologie. Aber nichts geschah. Im Gegenteil:

Die modernste Pilotanlage der Bergbauforschungsanstalt DMT (Essen) wurde 2004 fein säuberlich abgebaut und nach China verkauft. Dort läuft mit Hilfe deutscher Experten seit 2007 eine Anlage, die jährlich 9,7 Millionen Tonnen Kohle zu Benzin, Kerosin, Diesel und Nebenprodukte herstellt. China dankt unserer Bundesregierung – wir NICHT!

 

Da liegt die Lösung der Energieversorgung im eigenen Land und man importiert lieber teuer aus aller Welt und verhökert Deutsche Technologie ins Ausland. Warum? – Genau, damit die Hochfinanz verdient.

Wem dienen unsere Politversager?

 

 

Kfz. mit „aufgeschnalltem“ Holzvergaser.  -  Den TÜV gab es noch nicht.

 

JKS - Terra-Kurier / 22.10.2014