Über Neger und Mohren – damals und heute!

 

Neger und Mohr haben es heute schwer. Gutmenschen wollen sie vertreiben. Als Begriffe. „Nennt mich nicht Nigger“ lautete schon der Titel einer Kurzgeschichtensammlung von Josef Reding aus den 1950er Jahren. Doch Nigger ist nicht gleich Neger!

 

Aber von politischer Korrektheit oder political correctness sprach man damals noch nicht. Das kam erst viel später. Vermehrt in den 1990er Jahren. Zunächst vor allem im anglo-/amerikanischen Sprachraum. „political correctness“ kommt aus den USA, wo sich vor allem in der akademischen Welt der Ost- und Westküste ein weit verzweigtes System der vermeintlichen Rücksicht auf Empfindlichkeiten von Minderheiten und Außenseitern durch sprachliche Wendungen“ entwickelte.

 

Maß aller Männer sind nach krankhaften Vorstellungen dieser Gutmenschen nicht mehr die weißen, heterosexuellen, kaukasischen Männer allein, sondern nun vor allem homosexuelle, nicht kaukasische, schwarze Männer.

 

„Darf man zu denen heute noch ‚Neger‘ sagen?“; fragte unlängst der MDR. „Die Antwort ist einfach: Man darf!“ Meint tatsächlich auch die Welt und schert damit von der vorgegebenen politisch korrekten Formulierung ab, empfiehlt aber in ihrem Text dann doch, das „böse“ Wort zu meiden.

 

Das freilich wussten die 32 Bewohner eines Altersheims in Salzhausen nicht, als dort ein nackter Neger zunächst vor dem Fenster und dann in der Eingangshalle herumturnte und eine Dame schrie: „Huch, da steht ein nackter Neger auf dem Flur!“

 

Bereits 2013 wollte die damalige Familienministerin Kristina Schröder den Negerkönig und die Negerprinzessin aus Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ durch Südseekönig und Südseeprinzessin ersetzt wissen. Die Neger verließen nun beinahe geschlossen die Literatur. „Kurz darauf wurden auch die Negerlein in Ottfried Preußlers ‚Die kleine Hexe‘ durch Messerwerfer ersetzt.“

 

Gut. Und korrekt. Politisch. Messerwerfer statt Neger. Nur mit der Angst gibt es dann ein Problem. Messerwerfer und –stecher machen in Deutschland Angst. „Die Angst vor Messerangriffen“. 3,8 von 10 Personen schätzen das Risiko einer Messerattacke als hoch ein. 6,2 Personen ist es egal, so eine Umfrage der Bild.

 

Da die Neger nun zunehmend mehr literaturabstinent waren, richteten die Gutmenschen ihr Augenmerk jetzt auf den 1989 verstorbenen Mainzer Karnevalisten Ernst Neger und Nachfahren. Thomas Neger betreibt die Dachdeckerei Neger. In Mainz. Das Firmenschild zeigt die Silhouette eines schwarzen Menschen. Und das ist rassistisch.

 

Abseits des politisch Korrekten geht das Wort Neger auf das spanische negro und das französische nègre zurück, die wiederum auf lateinisch niger „schwarz“ zurückzuführen sind. Es wurde seit dem 17. Jahrhundert im Gegensatz zum schon damals eher dem gehobenen, literarischen Stil zugehörigen Mohr das alltägliche allgegenwärtige Wort. Man nannte so nicht nur Afrikaner. Bis sich seit den 1970er Jahren auch bei uns Aborigenes durchsetzte, hießen die australischen Ureinwohner hierzulande „Australneger.“ - Neger heißt also Schwarzer.

 

Auch der gehobene Neger soll verschwinden. Also Schillers Mohr. Schiller hatte den literarischen Auszug der gehobenen Neger klassischerweise bereits lange vorher vorweggenommen. In etwa: „Der Mohr hat seine Schludrigkeit getan. Der Mohr kann gehen.“

 

Der gehobene Neger, also der Mohr, müsse gehen, weil er Stereotypen verbreite und dem Verwender die historische Bedeutung nicht bewusst sei.

 

In Deutschland gibt es etwa 100 Mohren-Apotheken. Und die sollen sich nun einen anderen Namen suchen. Eine Initiative der Liste „Afrikanische Stimme“ (der übrigens kein einziger Neger angehört)‘.

 

Geht es nach dem kommunalen Ausländerbeirat der Stadt Frankfurt, so soll der Begriff Mohr aus den Namen zweier Apotheken der Stadt verschwinden. In einem Antrag an den Stadtrat wurden die Namen Mohren Apotheke und Zeil-Apotheke zum Mohren als rassistisch bezeichnet. Die Stadt solle sich für die Umbenennung der Apotheken einsetzen.

 

Sehr zum Leidwesen der Apotheken-Betreiberin. 99 Jahre sei die Apotheke nun im Familienbesitz und immer habe sie den gehobenen Neger im Namen getragen.

 

Dem Verwender sei die historische Bedeutung des Mohren nicht bewusst. Gut, aber da hilft doch ein kleines Klassikerstudium. Ein bisschen Schillers „Räuber“. Ein bisschen Shakespeares „Othello“. Und schon gibt es ein historisches Bewusstsein. Mit Klassikereinführung.

 

Wobei Schillers Mohr, Karl Mohr, ein weißer Mohr ist. Und ein weißer Neger ist kein Pleonasmus, wie der schwarze Rappe oder der weiße Schimmel, sondern ein Paradoxon, also ein schwarzer Rappe, der weiß angemalt ist. Und das ist weniger selten, als man denkt. Man denke nur an den weißen Neger Wumbaba, der im Kleinen Handbuch des Verhörens heimisch ist. Von Axel Hacke.

 

Ob weiß, ob schwarz, Neger ist Neger. Und so protestierten Aktivisten im November 2007 in Göttingen bei einer Lesung des Autors gegen den weißen Neger Wumbaba. Und einer gab dem Autor zu verstehen, er werde ihm „später draußen im Dunkeln die Kehle durchschneiden.“ Womit wir wieder bei Ottfried Preußlers Messerwerfern und –stechern und nun auch noch Halsabschneidern sind.

 

Außerdem sei es unglaublich, dass ein Kinderbuchverlag noch Neger drucke, obwohl die doch schon Literaturvertriebene seien. Und der Kinderbuchverlag kein Kinderbuchverlag ist. Und der Autor sei ein „weißer Rassist“. Und die Verlegerin, so der Autor, habe einen Brief von „LesMigraS Lesbische Migrantinnen und Schwarze Lesben“ erhalten.

 

„Sie habe, hieß es, zwei Bücher über Depression veröffentlicht, Mein schwarzer Hund und Mit dem schwarzen Hund leben. Es sei aber diskriminierend gegenüber schwarzen Menschen, wenn die Farbe schwarz und Dunkelheit als Symbolfarben für negativ bewertete Situationen oder Eigenschaften verwendet werden‘. Damit werde ‚Schwarzsein erneut mit negativen Aspekten verbunden und suggeriert, dass Schwarzsein (von Weißen) beherrscht werden muss‘.“

 

Das wiederum veranlasst einen normalen Menschn, für die deutsche Sprache schwarzzusehen.

 

Wertschätzung, Anstand und Benehmen sollten unseren Sprachgebrauch regeln, ohne gutmenschliche Schwachsinnsregeln. Das zeigte auch schon die Reichsführung während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, als man James Cleveland „Jesse“ Owens die Hand gab. Owens war ein US-amerikanischer Leichtathlet afroamerikanischer Abstammung und gewann bei den Olympischen Spielen 1936 vier Goldmedaillen.

 

Das passte nun so gar nicht ins Bild des Lügenmedienkartells im Ausland. Dass man Jesse Owens persönlich ehrte. Das ist der „Monsterisierung der Reichsführung“ abträglich.

 

Das olympische Protokoll verbot es dem Reichskanzler, den Athleten – ob weiß, ob schwarz, ob Deutsch oder nicht – persönlich zu gratulieren. Das machte es für die Hetzpresse im Ausland einfach.

 

Siegfried Mischner meldete sich 2009. Früher war er Sportreporter beim Rias. Er weiß, dass der Führer Owens die Hand gegeben hat. Anfang der sechziger Jahre habe es in Berlin eine Pressekonferenz gegeben. Mit Jesse Owens.

 

Jesse Owens habe ein Foto aus seiner Brieftasche genommen. Aufgenommen wohl hinter der Ehrentribüne vom Olypiastadion. Das Foto zeigt Adolf Hitler, wie er dem amerikanischen Athleten die Hand schüttelt. „Das war einer meiner schönsten Augenblicke in Berlin.“ So Jesse Owens.

 

„Die vorherrschende Meinung im Nachkriegsdeutschland habe gelautet: Hitler habe Owens ignoriert. ‚Wir haben daraufhin beschlossen, über das Foto nicht zu berichten. Die Presse war schon damals gehorsam‘, sagt Mischner. Das hätten sie auch Owens zu verstehen gegeben. ‚Einer aus der Runde hat gesagt: Stecken Sie das Foto lieber wieder ein, wir haben darüber bisher immer anders geschrieben‘, erzählt Mischner. „Owens war enttäuscht, ich kann mich gut daran erinnern, wie er ungläubig den Kopf geschüttelt hat.‘“ Dann steckte er das Foto wieder ein.

 

Und die Wahrheit ließ man gleich mit stecken. Oder unter den Tisch fallen. So auch das, was Owens selbst nach dem Krieg über die Reichsführung sagte: „Als ich am Kanzler vorbeikam, stand er auf, winkte mir zu und ich winkte zurück. Ich denke, die Journalisten zeigten schlechten Geschmack, als sie den Mann der Stunde in Deutschland kritisierten.“

 

Und es sei nicht der Führer gewesen, der ihn brüskiert habe, sondern der amerikanische Präsident F.D. Rosenfeld: „Der Präsident hat mir nicht einmal ein Telegramm geschickt.“

Und wieder in den USA bei Empfang im Waldorf Astoria sollte er den Lift für die Dienstboten nehmen. Der offizielle Aufzug sei für die weißen Hotelgäste reserviert.

 

So sind die folgenden Worte von Owens hier für unsere Gedanken zu Negern und Mohren auch heute noch von Beduetung: „After all those stories about Hitler and his snub, I came back to my native country and I couldn’t ride in the front of the bus. I had to go to the back door. I couldn’t live where I wanted. Now what’s the difference?“

 

(„Nach all den Geschichten über Hitler und seine Brüskierung kam ich in meine Heimat zurück und konnte nicht vorn im Bus fahren. Ich musste zur Hintertür gehen. Ich konnte nicht leben, wo ich wollte. Wo ist jetzt der Unterschied?”)

 

Hermann Rudolph / Terra-Kurier - 28.05.2018