Wenn Linke auf Linke schießen

Gedanken zum Aufruhr in der „Linken Szene“

 

Karl-Heinz Kurras, der Berliner Polizist der am 2.6.1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, ist derzeit in allen Medien. Er war als Stasi-Spitzel für die DDR-Regierung tätig, seine Gesinnung war so weit kommunistisch, dass die Russen ihn 1946 aus einem KZ mit Kriegsgefangenen schon nach wenigen Wochen wieder entließen. Mutmaßlich wurde er bereits damals als Agent angeworben.

Warum er dies tat und damit sein Vaterland verraten hat, für das er noch wenige Monate zuvor zu allem entschlossen gekämpft hat und für das viele seiner Kameraden ihr Leben ließen, diese Frage stellt niemand.

In der Bundesrepublik Deutschland macht man sich in Politkreisen und damit in den Medien vielmehr darüber Gedanken, ob denn die linke Ideologie, die man vertritt und die über 40 Jahre gebraucht hat, um die derzeitige, oftmals Tatsachen verdrehende Machtstärke in Land und Medien zu erreichen, noch tragbar und erhaltenswert ist. Basiert sie doch im Wesentlichen nun auf einem Mord von einem Linken an einem anderen Linken. Aber es war ja Notwehr - dies wurde zweimal im Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland gerichtlich festgestellt. Aber hätte der "linke" Gesinnungsgenosse in Polizeiuniform nicht am ebenfalls "linken" Demonstranten vorbeischießen können? Nicht ein Vertreter des Verhassten Rechtstaates hat Ohnesorg erschossen, sondern jemand aus den eigenen Reihen.

Jedenfalls sind die Vertreter linker Gruppierungen, auch die innerhalb der jetzt systemrelevanten Parteien wie Die Linke, SPD, und auch entsprechende Flügel der CDU, derzeit in heller Aufruhe, da man ja nun eine Symbolfigur verliert, auf dessen Tod die gesamte politische Weltanschauung aufgebaut war. Eine Ideologie, die durch eine Identifizierung der damaligen Bundesrepublik mit "Faschismus" und Terrorismus als Widerstand dagegen, aufgebaut wurde. Alte „,68er“, Gründer der Apo (Apo = Außerparlamentarische Opposition; so nannte man sich damals großkotzig, um Basisdemokratie vorzutäuschen), sinnieren derzeit darüber, ob es noch Aufrecht erhalten werden kann, Ohnesorg als Symbolfigur und Märtyrer der Bewegung zu stilisieren. Denn es war der Tod von Benno Ohnesorg, der die bis dahin immer noch relativ isolierten studentischen Gruppen auf einer Massenbasis vereinte. „Und wie bitter nötig hatten wir die Opfer in unseren Reihen!“, urteilte später Frank Böckelmann, Gründungsmitglied der Kommune 1 und der Soziologe Detlev Claussen, ehemaliges SDS-Mitglied, beschrieb die plötzliche Veränderung der Atmosphäre mit den Worten: „Du bist am Morgen nach Ohnesorgs Erschießung aufgewacht und es sind plötzlich ganz viele Menschen, die du noch nie gesehen hast, da. Das hat auch irgendwo diesen euphorischen Funken gesetzt.“ „Der „euphorische Funken“, so Claussen weiter, „erzeugte eigentlich erst die "Bewegung“. Eine Bewegung, die auf Eskalation drängte, und nachdem Kurras seinerzeit vor Gericht gestellt, aber freigesprochen worden war, fragte Rudi Dutschke rhetorisch, was denn noch passieren müsse, bevor man „zur radikalen Tat“ schreite.

 

Es ist angesichts dessen verständlich, dass heute ein paar nachdenkliche 68er-Veteranen meinen, die Gesamtentwicklung hätte einen anderen Verlauf genommen, falls das Doppelleben von Kurras damals schon bekannt geworden wäre.

 

Man kann darüber endlos Mutmaßungen anstellen, ändern kann man dadurch an den derzeitigen Verhältnissen im Lande allerdings nichts.

 

Dennoch entbehrt es nicht einer gewissen Schadensfreude, wenn sich in diesen Tagen die 68er und deren Nachfolger, die Alternativen, die Grünen, die Feministinnen, die Ökos und Spontis, die den „wild gewordenen Kleinbürgern á la Kurras“ so gern die Stirn bieten, die Frage nach ihrer Existenzberechtigung stellen und über den Sinn ihrer „linken“ Gesinnung nachdenken. Es ist das Denken, wenn es auch spät einsetzt, das man diesen Leuten jetzt anrechnen sollte. Am Ende wurde die ganze Bewegung auch nur „gelinkt“ (also belogen). Gelinkt von jenen Leuten die den Kommunismus inzwischen nur noch als Auslaufmodell sehen und ihn weltweit (Neusprech: global) abschaffen.

 

Aber vermutlich wird die „Bewegung“ bald aus Ihrer Selbstfindungslethargie herausfinden und so weiter machen wie bisher.

Vielleicht stellt sich jemand aus diesen Reihen aber auch weitere Fragen. Weitere Fragen nach einem versuchten Mordanschlag auf einen Wortführer dieser 68er-Studentenbewegung. Fragen zum Attentat vom 11. April 1968. Zum Attentat auf Rudi Dutschke.

Schließlich war es Dutschke, der nach Tod von Benno Ohnesorg auch zu bundesweiten Sitzblockaden aufrief, um die Todesumstände detailliert aufklären zu lassen. Zu dem forderte er gemeinsam mit Vertretern des von ihm gegründeten SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) den Rücktritt der Verantwortlichen für den Polizeieinsatz. Auch wurde die Enteignung des Verlegers Axel Springer gefordert, da der SDS die kampagnenartige Berichterstattung der Studentenunruhen in den Zeitungen des Verlages für Ohnesorgs Tod mitverantwortlich machte.

 

Sein Auftreten polarisierte die Öffentlichkeit; er erfuhr zunehmend auch Ablehnung und Hass. Die Zeitungen des Springerverlags und viele Regionalzeitungen setzten ihn - wie die 68er insgesamt, als deren Symbolfigur er nun galt - u. a. mit Hinweisen auf sein „ungepflegtes Äußeres“ und seine DDR-Herkunft herab. Als er bei einem „Go-in“ im Weihnachtsgottesdienst 1967 der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche versuchte, eine Diskussion über den Vietnamkrieg herbeizuführen, schlug ein wütender Gottesdienstbesucher ihn nieder und verletzte ihn. Zum eigentlichen Attentat mit Spätfolgen kam es dann am 11.4.1968. Am 11. April 1968 schoss der junge Hilfsarbeiter Josef Bachmann vor dem SDS-Büro am Kurfürstendamm dreimal auf Dutschke. Er traf ihn zweimal in den Kopf, einmal in die linke Schulter. Dutschke erlitt lebensgefährliche Gehirnverletzungen und überlebte nur knapp nach einer mehrstündigen Operation.

 

Viele Studenten machten die Springerpresse für das Attentat verantwortlich, da diese zuvor monatelang gegen Dutschke und die demonstrierenden Studenten agitiert hatte. Die „Bild“ schrieb z. B. am 7. Februar 1968: „Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen.“ Sie rief Tage vor dem Attentat zum „Ergreifen“ der „Rädelsführer“ auf.

 

Rudi Dutschke eignete sich Sprache und Gedächtnis in monatelanger Sprachtherapie mühsam wieder an, hatte dann aber nicht mehr die Gewichtung innerhalb der Bewegung. Josef Bachmann wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dutschke nahm brieflich Kontakt mit ihm auf, erklärte ihm, er habe keinen persönlichen Groll gegen ihn und versuchte, ihm ein sozialistisches Engagement nahe zubringen. Bachmann beging jedoch am 24. Februar 1970 im Gefängnis Selbstmord. (!?)

 

Die Beweggründe Bachmanns sind seinerzeit nie ermittelt oder intensiv hinterfragt worden. Man hatte den Täter und fertig.

War auch er unter Umständen im Auftrag anderer in Aktion getreten?

 

Einigen in der damaligen Studentenbewegung muss Rudi Dutschke jedenfalls mehr als nur ein Dorn im Auge gewesen sein. Aufgrund der langen Genesung Dutschkes nach dem Attentat zerfiel die von ihm gegründete SDS, die stets für gewalt- und terrorfreie Demonstrationen eintrat und Anschlagspläne auf Diktatoren ebenso wie Terror gegen die Bundesrepublik Deutschland abgelehnt hat. Auch die Begründung Dutschkes für die Verweigerung seines Wehrdienstes in der Nationalen Volksarmee (dies war 1957 tatsächlich möglich), dass er nicht auf Landsleute schießen wollte und sich zur Wiedervereinigung Deutschlands bekannte, musste seinerzeit für „eingefleischte Linke“ (heute in politischen Ämtern Agierende) eher abschreckend gewirkt haben. Hatte er doch offenbar andere Ideen und Ziele, als die „68er“ Drahtzieher und angeblichen Gesinnungsgenossen.

 

Rudi Dutschke starb am 24. Dezember 1979 an den Spätfolgen des Attentats.

Ein Brief Rudi Dutschkes an seine Frau Gretchen belegt auch die Angst des Studentenführers, Opfer eines Attentats der Stasi zu werden. Er hinterließ das Schreiben mit der Auflage, es erst nach seinem Tod zu öffnen.

 

Wäre die SDS damals nicht zerfallen, hätte sich unter Umständen die RAF (Rote Armee Fraktion) niemals gegründet und hätte ihre Terrormorde in der Bundesrepublik Deutschland (egal in wessen Auftrag) niemals begehen können.

 

Auch darüber sollten „die gelinkten Linken“ in diesen Tagen einmal nachdenken.

 

JKS - Terra-Kurier / 28.05.2009

 

 

Linke im Gesinnungsnotstand

Damals als Benno Ohnesorg erschossen wurde und die 68er-Bewegung kurze Zeit später damit ihren Anfang nahm, demonstrierten die Studenten gegen den Berlin Besuch des Persischen Schah, Mohammad Reza Schah Pahlavi. Das Regime in Persien galt damals als US-unterstützt und war deshalb im Visier der Demonstranten. „Freiheit für die Teheraner Uni“, war seinerzeit einer der Sprüche auf den Demonstrationstransparenten. Auch die Forderung „Amis raus aus Vietnam“, war damals eine Forderung dieser Bewegung. Es ging also immer gegen die kriegstreibende Politik der USA.

 

Diese US-Politik hat sich seitdem allerdings nicht verändert und dennoch sind die 68er, die heute die politischen Ämter in der Bundesrepublik Deutschland bekleiden, heute für die US-Kriege und entsenden gar Deutsche Bundeswehrsoldaten für Vasallendienste in die Kriegsgebiete, die von den USA angezettelt und geschürt werden. Der nun tatsächlich befreite Iran (vormals Persien) gilt weiterhin als Feindbild, obwohl dort wahrlich kein US-Einfluss mehr stattfindet.

 

Schon vor diesem Hintergrund müssten diese 68er jeden Spiegel meiden. Ich könnte mir jedenfalls nicht ins Gesicht sehen, wenn ich täglich meine einstigen Ideale verleugnen und mit Füßen treten würde. Aber genau hier ist wahrscheinlich das Problem zu suchen, das diese Damen und Herren jetzt für sich selbst endlich erkannt haben. Auf der einen Seite leugnen sie Tag ein Tag aus ihre Ideale und dienen sich dem einstigen „Feind“, den USA, an und auf der anderen Seite verlieren sie gerade auch noch ihre selbst gemachten Idole, weil diese stilisierten Helden, von der Stasi, also von fast gleich gesinnten BRD-Hassern, hingerichtet, ermordet und meinethalben auch nur getötet wurden. Linke unter sich.

 

Aber was haben diese Damen und Herren nicht schon alles weggesteckt. Erinnern Sie sich an 1972. Brandts Bestätigung im Bundestag war von der Stasi gekauft. Dennoch ist der Tag im Jahre 1972 bis heute eine gefeierte „Sternstunde der Demokratie“. Oder die Friedensbewegung. Galt sie nicht als ein strahlendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement gegen einen repressiven Staat unter der Fuchtel der Rüstungslobby? So steht sie noch immer da, selbst nachdem nunmehr längst öffentlich ist, dass Stasi-Agenten dort nicht nur überall mitredeten, sondern auch das große Wort führten. Finanziell ließ sich die DDR-Regierung ebenfalls nicht lumpen bei der Fütterung der Friedensfreunde hinter dem Antifaschistischen Schutzwall.

 

Man fragt sich, was wohl noch alles kommt? Gibt es eigentlich irgendwas Bleibendes, etwas eigenes an den Linken, etwas was nicht fremd gesteuert ist?

 

JKS - Terra-Kurier / 29.05.2009

 

 

Zum Thema hat auch die Preußische Allgemeine Zeitung einen guten Artikel veröffentlicht, den ich hier ergänzend anfüge:

 

Anfang aus Quelle: http://www.ostpreussen.de/index.php?id=166&tx_ttnews[tt_news]=300&tx_ttnews[backPid]=102&cHash=03564dd824

 

Die linke Deutungsmacht wankt

In der Debatte um die Erschießung Benno Ohnesorgs geht es um die Haltbarkeit linker Lebenslügen

Karl-Heinz Kurras war Stasi-Agent, aber bisher ist unklar, ob die DDR-Führung die tödlichen Schüsse vom 2. Juni 1967 angeordnet hat. Die Argumente, die linke Wortführer in dieser Debatte anführen, lassen tief blicken.

Der Schock, den die Enthüllung über den Ohnesorg-Schützen Karl-Heinz Kurras in Teilen der Linken ausgelöst hat – zumal bei Veteranen von 1968 –, hat Anflüge von Hysterie angenommen. Die „taz“ sieht bereits einen „Kulturkampf von rechts“ heraufziehen. Der „Anteil der Linken am Gelingen der Bundesrepublik“ werde „rückwirkend ausgelöscht“, zittert das Blatt.
Plötzlich riß ein alter Graben wieder auf, der lange verschüttet schien: zwischen Linken und dem Springer-Verlag. Eines ist den alten und neuen 68er-Apologeten besonders wichtig: Daß die Geschichte der Studentenrevolte auf keinen Fall umgeschrieben werden dürfe. Auf fast schon bizarre Weise wiederholen sie dabei die verblichenen Phrasen von 1967/68 von der frühen Bundesrepublik als nazigeprägtem Polizei- und Unterdrückerstaat, der erst vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und seinen Anhängern wirklich demokratisiert worden sei.
Ungewollt jedoch bestätigen sie mit der Behauptung, die Revolte wäre auch nicht anders verlaufen, wenn schon 1967 bekannt geworden, daß Kurras Stasi-Agent und SED-Genosse war, einen Vorwurf, den sie bislang empört zurückgewiesen hatten: Nämlich, daß der gewaltsame Tod nur der Vorwand für die brachiale Radikalisierung, und nicht ihre Ursache gewesen sei. Bis zum Ende der RAF trug die radikale Linke den Tod Ohnesorgs als Rechtfertigung für ihre eigene Gewalt vor sich her nach dem billigen Motto: Die anderen haben ja angefangen, als der „repressive Polizeistaat Bundesrepublik“, vertreten durch den Polizeibeamten Kurras, Ohnesorg ermordet und so seine „faschistische Fratze“ gezeigt habe. Wenn es völlig bedeutungslos ist, daß die „Fratze“ eine  kommunistische war, kann das nur heißen: Wenn nicht Ohnesorg, dann hätten wir eben etwas anderes gefunden, um die Radikalisierung in Gang zu setzen, weg von echtem studentischen Protest hin zur Verherrlichung roter Gewalt-herrscher wie Mao oder Lenin.
Ob zudem wirklich das gesamte „bürgerliche Deutschland“ mit Haß und Aggression auf jede Regung jugendlicher Reformfreude reagiert und die jungen Menschen so eigenhändig in die Radikalität gedrängt hat, muß ebenso bezweifelt werden. Die „Welt“ besteht mit guten Gründen darauf, daß die Springer-Blätter seinerzeit weitaus differenzierter berichtet hätten, als damals wie heute von linken Widersachern behauptet werde.
Womit sie nicht allein wären: Der damalige Chefredakteur des Ostpreußenblattes, Eitel Kaper, schrieb in der Folge vom 1. Juli 1967 auf Seite 1: „Wir gehören nicht zu den Leuten, die über die jungen Menschen, die in diesen schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg aufwuchsen, den Stab brechen, weil sie sich lautstark zu Wort melden. Ein echtes politisches Engagement ist an sich viel erfreulicher als ein vom Wohlstandsdenken und von allgemeiner Blasiertheit diktiertes ,Ohne mich‘.“ Aber: „Man sollte sich klarmachen, daß es Leute gibt, die im Auftrag gut getarnter kommunistischer Agitation darum bemüht sind, deutsche Jugend in ihr Fahrwasser zu bringen“, so Kaper weiter.
Den Agitatoren war der Tod Ohnesorgs enorm hilfreich, sprich: Die Legende, die sich um ihn spinnen ließ. Die spontane Solidarisierung Zigtausender „normaler“ Studenten mit linksradikalen Gruppen, die offen für den Sturz der Demokratie (Dutschke sprach von „Machtergreifung“) agitierten, die war nur durch den Ohnesorg-Mythos möglich gewesen.
In der „Welt“ lenkt Bettina Röhl den Blick noch ein Stück weiter: Nicht der tragische Tod des Studenten sei die politische Katastrophe von 1967 gewesen, sondern der Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Heinrich Albertz (SPD), und anderer hoher Funktionsträger kurze Zeit danach. „Dieser Rücktritt wirkte nämlich für die APO, die außerparlamentarische Opposition, wie ein volles Schuldanerkenntnis des Staates, wie ein Freifahrtschein für Revolution und Radikalisierung“, so Röhl. Diese Rücktritte wären sicher unterblieben, wenn man gewußt hätte, wer Karl-Heinz Kurras wirklich war.
Aber woher der Eifer über ein 42 Jahre zurückliegendes Ereignis? Es geht um Deutungshoheit, und zwar im umfassenden Sinne. Der Autor Jan Fleischhauer stellt in seinem jüngst erschienen Buch „Unter Linken“ fest, daß „überall dort, wo darüber befunden wird, wie die Dinge zu sehen sind“, heute die Linke herrsche, in Universitäten und Schulen, in Theatern und Museen, vor allem in den Medien. „Rechts“ gilt mittlerweile als schon fast kriminell.
Soviel linke Macht aber will legitimiert sein. Sie wird es durch die Lebenslüge, daß es allein die Linke gewesen sei, und zwar unter Einschluß diktaturverherrlichender Extremisten, die ab Ende der 60er Jahre aus diesem Land eine Demokratie gemacht habe, weshalb die Rechte kein Anrecht auf Teilhabe oder auch nur Toleranz habe. Nach dieser Logik war der Adenauer-Staat (den unbestreitbar die bürgerliche Rechte geführt hat) nichts als eine Art Fortsetzungsfaschismus. Jeder Versuch einer „Re-Pluralisierung“ aufgrund der Einsicht, daß insowohl linke als auch rechte Demokraten am Gemeinschaftswerk unserer Demokratie ihren Anteil haben, gefährdet den Machtanspruch.      

Hans Heckel

Veröffentlicht am 03.06.2009

 

Ende aus Quelle: http://www.ostpreussen.de

 

Im Terra-Kurier / 05.06.2009

 

 

Aufstand für Geld? – Die 68er verlieren immer mehr an Ansehen

Die Wahrheit kommt immer ans Licht. Manchmal dauert es eben nur etwas länger. Mancher Zeitgenosse in den „68er“ Reihen hat sich wahrscheinlich schon gefreut und nicht mehr mit einer Aufdeckung gerechnet. Aber im Zuge der Ermittlungen gegen den DDR-Agenten Kurras kommen weitere Dinge ans Licht, für die manche schon alle Kerzen als für immer erloschen dachten.

 

So soll es für die Inszenierung der Studentenrevolte, die dann zum Tode von Benno Ohnesorg führte, nicht nur aus Stasi-Kreisen Unterstützung gegeben haben. So sollen 50.000 bis 100.000 DM geflossen sein.

 

Mark. Woher wir das wissen? Von Manfred Bissinger. Oder von Peter Schneider, wobei Schriftsteller Schneider eine weitaus unterhaltsamere Version anbietet als Journalist Bissinger.

 

Anno 1967 will der damalige Apo-Revoluzzer Peter Schneider von „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein 50.000 DM erhalten haben, um Rudi Dutschke und Genossen für den Kampf gegen den Springer-Verlag aufzurüsten. Das Geld habe Augstein aus der Hosentasche gezogen, zwei in Gummibänder gefasste Bündel.
Wem diese Art der Geldübergabe zu sehr an in der Unterwelt vorkommende Machenschaften erinnert, für den gibt es noch eine andere Variante. Danach hat Manfred Bissinger, damals „Stern“-Reporter, von Augstein und dem damaligen „Zeit“-Verleger Gerd Bucerius zwei Schecks über je 50.000 Mark bekommen haben, die er (auch für den Kampf gegen Konkurrent und Klassenfeind Springer) auftragsgemäß an Dutschkes „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS) weitergeleitet hat. Als im Jahr darauf die Früchte der roten Investition aufgingen und bei Springer die Scheiben klirrten und Lieferwagen in Flammen aufgingen, wollten die edlen Spender mit dem Veitstanz nichts mehr zu tun haben.

 

Für die ohnehin reichlich verunsicherten „68er“ ist diese jüngste Enthüllung nach der Kurras-Geschichte der nächste Treffer. Die bekannte Ideologie gerät zunehmend ins wanken, da das Fundament durch immer neue Enthüllungen völlig weg bricht und der von vielen als stabiler Bau empfundene Zusammenhalt nunmehr stark bröckelt.

 

Aufstand für Geld? Revolution mit Kontonummer? Auch eine Art Spendensumpf, den labile, nicht belastbare Linke nicht einfach wegstecken können. Sind sie es doch sonst, die den moralischen Ankläger auf der Politbühne geben.

 

JKS - Terra-Kurier / 11.06.2009

 

Weitere Neuigkeiten zum Fall Kuras findet man auch wieder in der aktuellen Preußischen Allgemeinen Zeitung. - Lesen sie dort:

Anfang aus Quelle: http://www.ostpreussen.de/index.php?id=166&tx_ttnews[tt_news]=307&tx_ttnews[backPid]=102&cHash=c84a2db225

 

Die Stasi und die Studentenrevolte

Neue Enthüllungen über den DDR-Agenten Kurras – Die Geschichte der 68er muß umgeschrieben werden

Scheibchenweise kommen neue Fakten über die tödlichen Schüsse des Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967 ans Licht. Noch gibt es keine Beweise für einen Liquidierungsauftrag der Stasi, doch es zeichnet sich ab, daß die Geschichte der Studentenrevolte in Teilen neu geschrieben werden muß.

Die neuen Veröffentlichungen im Fall des Stasi-Spions Karl-Heinz Kurras, der den Studenten Benno Ohnesorg 1967 erschoß, lassen erschauern. Wer war dieser Mann, der ein Doppelleben als West-Berliner Polizist und DDR-Spion führte und bis zum Mauerfall Überläufer und Fluchthelfer verriet? Die Kurras-Akten Teil 2 zeigen einen Mann, der sogar noch nach dem Mauerfall 1989 aktiv geführt wurde. Die Geschichte der Studentenbewegung der 68er muß im Lichte dieser Enthüllungen umgeschrieben werden.
Nachdem Kurras seinen tödlichen Schuß auf Ohnesorg abgefeuert hatte, stand er weder moralisch geächtet da noch wurde er von der Stasi-Zentrale der DDR „abgeschaltet“. Kurras war ein überaus aktiver Informant, der mit seinen Aktivitäten 17 Ordner füllte, die von 1955 bis in das Jahr 1989 reichen. Die „zweite Akte Kurras“, aus der die „FAZ“ jetzt zitiert hat, besteht aus nur sechs Seiten, die aber dennoch aufschlußreich sind. Aus dem Jahr 1976 wird über eine konspirative Kontaktaufnahme mit einem DDR-Führungsoffizier in einer Gaststätte in Ost-Berlin berichtet. Noch Ende 1987 legte die Bezirksverwaltung Berlin des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) einen „Sicherungsvorgang“ für Kurras an. Als Tarnung wird dort nicht mehr der in den 50er und 60er Jahren gebräuchliche Deckname „Otto Bohl“, sondern „Vorstoß“ verwendet. Erst am 29. November 1989, Wochen nach dem Fall der Mauer, verfügte das MfS dann die „Archivierung des Vorgangs“.
Eilfertig haben in ersten Reaktionen Politiker und Journalisten die Bedeutung der Enthüllungen bestritten. So der Autor der linken „Tageszeitung“, Christian Semler, der „ein groß angelegtes Manöver der historischen Mystifikation“ vermutete. Semler ist persönlich involviert, er war von 1966 bis 1970 führendes Mitglied des Sozialistischen Sudentenbundes (SDS) und gründete 1970 mit Jürgen Horlemann und Peter Neitzke die maoistische KPD (AO), deren Vorsitzender er später auch war.
Auf einen geheimdienstlichen Hintergrund der tödlichen Schüsse deuten neben dem offenkundigen Interesse des SED-Regimes an einer möglichst starken, linken Studentenbewegung verschiedene Indizien hin. So verschwand das Schädelstück Ohnesorgs mit dem Einschußloch spurlos. Daraus hätte man Schlüsse auf den Tathergang ziehen können. Darauf wies jetzt Otto Schilly hin, der die Familie Ohnesorg damals als Nebenkläger vertrat und später Bundesinnenminister wurde. Aufschlußreich ist auch die Entdeckung, daß nicht nur Kurras, sondern auch der Fotograf der Tat, Jürgen Hentschel, DDR-geführt war. Hentschel arbeitete im Auftrag der „Wahrheit“, einer Zeitung des SEW, dem West-Berliner Ableger der SED. Der DDR kam die Ermordung Ohnesorgs jedenfalls sehr gelegen. Sie schlachtete den Fall gründlich aus und ließ sogar FDJ-Gruppen fähnchenschwenkend an der Straße stehen, als der Leichnam Ohnesorgs von Berlin durch die DDR in die Bundesrepublik überführt wurde.
Kurras, so viel steht bereits heute fest, war kein untergeordneter Stasi-Spitzel. Vielmehr war er in hochbrisante Vorgänge verwickelt,  etwa im Zusammenhang mit der Verschleppung von Robert Bialek. Nur sechs Tage nachdem der Ulbricht-Gegner und abtrünnige Kommunist von einem Stasi-Kommando betäubt und von West- nach Ost-Berlin verschleppt worden war, unterrichtete Kurras seinen Führungsoffizier über die Ermittlungen der Kripo. Wie der „Spiegel“ schreibt, lieferte Kurras auch Informationen über festgenommene Spione der Stasi, über Fluchthelfer und Fluchtwillige. Wie viele Menschen auf Grund der Angaben von Kurras in Gefängnissen der DDR eingesperrt wurden, ist nicht bekannt, weil die Namen entsprechender Personen in den freigegebenen Kopien der Akten geschwärzt sind.
Eine lebhafte Debatte ist inzwischen darüber entbrannt, ob die Enttarnung von Kurras als Stasi-Mann und SED-Mitglied ein grundsätzlich neues Licht auf die Ereignisse von 1967 und 1968 wirft. Der Wissenschaftler Jochen Staadt, der an der FU Berlin über den SED-Staat forscht, sagte dazu: „Ich finde es schon komisch, daß viele jetzt gleich sagen, diese Entdeckung ändere gar nichts. Natürlich gab es in allen westlichen Ländern Reformstaus, und das führte zur Jugend- und Studentenbewegung. Aber die spezielle Form, die das in Deutschland angenommen hat, etwa in der Radikalisierung nach dem 2. Juni: Die wäre anders ausgefallen, wenn man gewußt hätte, daß Ohnesorg von einem SED-Mitglied erschossen worden ist.“
Stefan Wolle, ein weiterer Wissenschaftler an diesem Forschungsprojekt, argumentierte kürzlich: „Wenn man fragt, wem der Tod Ohnesorgs genutzt hat, dann kommt man schnell zu der Antwort: Walter Ulbricht. Denn das lenkte von den Mauertoten ab, nahm die DDR aus der Kritik heraus. Und man konnte nun wunderbar Propaganda treiben: Seht her, in West-Berlin erschießen sie auf offener Straße Studenten.“ Wichtiger aber sei dem damaligen Staatschef der DDR noch etwas anderes gewesen. Er habe immer das Ziel verfolgt, West-Berlin vom Bund zu trennen und der DDR zuzuschlagen. Bei seinem politischen Ziel, der Destabilisierung West-Berlins, habe ihm ein Mann wie Kurras nur nützlich sein können.
Ein direkter Auftrag zur Ermordung von Benno Ohnesorg ist (bisher) nicht nachweisbar. Ein solcher Nachweis in den Akten wäre allerdings auch unwahrscheinlich – es gibt Dinge, die auch selbstsichere Geheimdienste kaum ihren eigenen Akten anvertrauen. Dennoch wußte Kurras als Agent bei der politischen Abteilung der Polizei, daß die Desavouierung der West-Berliner Polizei ein wichtiges Ziel seiner Partei war. Auch ohne Tötungsauftrag, den die Stasi in anderen Fällen nachweislich gegeben hat, hat er also im Sinne seiner Auftraggeber gehandelt. 

Hinrich E. Bues

Veröffentlicht am 10.06.2009

 

Ende aus Quelle: http://www.ostpreussen.de/index.php?id=166&tx_ttnews[tt_news]=307&tx_ttnews[backPid]=102&cHash=c84a2db225

 

Im Terra-Kurier / 11.06.2009

 

 

Auf der Suche nach neuen Märtyrern und Idolen?

Anlässlich der Demonstrationen zur allgemeinen Öffnung des eingezäunten, z. Zt. nicht mehr als Flugfeld genutzten Berliner Fughafen Tempelhof, kam es am vergangenen Samstag zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei. Ein Foto stellt dazu eine ganz besondere Situation dar. Sie haben es sicher alle gesehen, liebe Leser: Ein Demonstrant ausgestreckt am Boden, ein Polizist in Uniform kniet auf seiner rechten Schulter und ein weiterer Zivilbeamte kniet auf seiner linken Schulter. Als dem so bewegungsunfähigen Demonstranten mehrere Personen zur Hilfe eilen wollen, zieht der Zivilpolizist seine Dienstwaffe und bedroht die Heraneilenden. Wahrscheinlich ist es nur der Gegenwart eines Pressefotografen zu verdanken, dass dieser durchgeknallte, feige Zivilbeamte nicht geschossen hat. Hatte er gar einen Auftrag - einen Auftrag neue Idole und Märtyrer zu schaffen, nachdem Benno Ohnesorg nicht mehr als solcher gelten kann? Aber diese Frage hat bisher noch kein „linker“ Journalist gestellt und Polizeikreise schweigen sich vollkommen zum Vorfall aus.

Was hat eine Schusswaffe überhaupt auf einer friedlichen Demonstration zu suchen, wenn man von vornherein weis, das die Demonstranten keine Waffen tragen?

Dem Volk entzieht man durch immer weiter verschärfte Waffengesetze die Möglichkeit zur wirksamen Verteidigung und gegen schießwütige Polizisten wird nichts unternommen.

Auf Druck der Polizeiführung musste das Gesicht des Zivilbeamten gar noch unkenntlich gemacht werden. - Also nochmals Feigling!

Liebe Mitmenschen, wann werdet ihr wach, denkt nach und handelt ?

 

JKS - Terra-Kurier / 22.06.2009

 

 

 

 

 

Nachsatz: Der Begriff „Linke“ ist hier nur als Begriff für die Nachfolger der Studentenbewegung gemeint und gilt in keiner Weise abwertend, noch dazu vor dem Hintergrund, dass diese Leute sich ja auch selbst als Linke bezeichnen. Grundsätzlich gilt im Terra-Kurier noch immer, dass eine politische Unterscheidung zwischen so genannten Linken und Rechten unterbleiben sollte, denn diese Unterscheidung wurde von den Feinden einer wahren Demokratie erfunden, in der Absicht, die Menschen im Inneren zu spalten, um sie damit besser zu beherrschen. Wollen Sie beherrscht werden? Echte Demokratie kommt ohne Parteien aus.

 

 

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JKS / 2009