Wie es zum Ausbruch des 1. Weltkrieges überhaupt kommen konnte!

 

Alles hat eine Vorgeschichte:

Zwischen dem 27. Dezember 1893 und dem 4. Januar 1894 schlossen Frankreich und Russland ein politisches und militärisches Bündnis ab. Im Wesentlichen besagte es, dass Russland gegen Deutschland Krieg führen würde, falls Frankreich von Deutschland oder von Italien mit Deutschlands Unterstützung angegriffen würde.

 

Am 28. März 1898 beschloss der deutsche Reichstag ein neues Gesetz, demzufolge die Kriegsmarine ausgebaut werden sollte. Angesichts von Großbritanniens wesentlich größerer Flotte sollte diese Aufrüstung dazu dienen, um Deutschlands Kolonien und Überseehandel zu sichern. Zudem war man der Ansicht, dass eine erstklassige Flotte Deutschland in den Augen Russlands und Frankreichs als Bündnispartner attraktiver machen würde.

 

Am 18. Oktober 1912 brach der erste Balkankrieg aus, indem Bulgarien, Serbien und Griechenland gegen die Türkei kämpften. Bis zum 10. November erreichten die Serben die Adria, nachdem sie das nördliche Albanien überrannt hatten. Am 24. November kündigte Österreich seinen Widerstand gegen den serbischen Zugriff auf die Adria aus und sprach sich für ein unabhängiges Albanien aus. Serbien wurde von Russland unterstützt. Frankreich verkündete seine Unterstützung für Russland, falls es zu einem Krieg mit Deutschland und Österreich-Ungarn kommen sollte. Deutschland versprach Österreich Beistand im Falle eines Angriffes, und England äußerte Sympathien für Österreichs Position. Sowohl die britische als auch die deutsche Diplomatie konnten diese schwelende Krise lösen und zugleich jede Entfremdung mit Frankreich oder Russland verhindern.

 

Am 29. Juni brach der zweite Balkankrieg aus mit dem Angriff der Bulgaren auf serbische und griechische Stellungen. Rumänien und Bulgarien traten auf Seiten der Türkei in den Krieg gegen Bulgarien ein, das schnell unterlag.

 

Im November und Dezember 1913 protestieren die Russen energisch gegen die Einstellung des deutschen Generals Liman von Sanders in türkische Dienste mit weitreichenden Befugnissen zur Reorganisation und zum Wiederaufbau der türkischen Armee. Die Franzosen unterstützen die russische Position massiv, während sich England »lauwarm« verhält.

 

Im Februar 1914 diskutiert der russische Kronrat die Frage des russischen Schwarzmeergebietes und der erwünschten Warmwasserhäfen. Der Rat kommt zu dem Schluss, dass Russlands Ziele nur anlässlich eines großen europäischen Krieges zu realisieren sind.

 

Mit der Unterzeichnung eines deutsch-englischen Vertrages am 15. Juni wird der Streit um die von Deutschen gebaute Bagdad-Eisenbahn beigelegt. Die Deutschen verpflichten sich, die Bahn nicht südlich von Basra zu bauen. Der Vertrag reflektiert den aufrechten Wunsch beider Seiten, die vielen anstehenden kolonialen Streitpunkte auszuräumen.

 

Im Juni 1914 diskutieren Deutschland und Österreich die Situation auf dem Balkan. Die Wiener Regierung befürwortet ein Bündnis mit Bulgarien und der Türkei, um eine Wiederherstellung der Balkan-Liga unter der Schirmherrschaft Russlands und Frankreichs unmöglich zu machen. Die Deutschen drängen Wien, mit Serbien, Rumänien und Griechenland zu einer Aussöhnung zu gelangen.

 

Am 28. Juni 1914 wird Österreichs Erzherzog Franz Ferdinand (designierter Thronfolger Österreich-Ungarns) und seine Frau von zwei serbisch-bosnischen Revolutionären in Sarajevo, Bosnien, ermordet. Die Attentäter handeln als Agenten von Vereinigung oder Tod (die Terrororganisation Schwarze Hand). Die Attentäter wurden von Serbien unterstützt und fanden dort anschließend Asyl. Die Welt sympathisierte mit Österreich, und Deutschland drängte auf eine Beilegung des Konflikts auf möglichst lokaler Ebene. Sie hielten die Russen für unvorbereitet für äußerste Maßnahmen.

 

Vom 20. bis zum 23. Juli 1914 hielt sich der französische Präsident Poincaré bei der russischen Regierung in Petersburg auf. Russland und Frankreich luden England ein, mit ihnen zusammen Druck auf Österreich auszuüben in Bezug auf Serbien. Die Franzosen ignorierten anscheinend die Hauptpunkte dieses Falles und betrachteten die ganze Angelegenheit als einen Solidaritätstest der Entente angesichts von Maßnahmen seitens der Dreierallianz Deutschland-Österreich-Ungarn.

 

Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich Serbien den Krieg. Serbien hatte sich geweigert, die Attentäter auszuliefern bzw. einer Untersuchungskommission unter Österreichischem Vorsitz auf seinem Territorium zu akzeptieren. Am 31. Juli 1914 erklärte Deutschland den Zustand drohender Kriegsgefahr und übersandte Russland ein 12-Stunden-Ultimatum zur Zurücknahme seiner Generalmobilmachung, die der Zar am 29. Juli angeordnet hatte [was de facto einer Kriegserklärung gleichkam, Anm. d. Übers.]. Am 31. Juli um 1900 Uhr erklärte Deutschland Russland den Krieg [womit Frankreich vertragsgemäß verpflichtet war, Deutschland den Krieg zu erklären, Anm. d. Übers.]. Am 3. August erklärte Deutschland Frankreich den Krieg mit der schwachen Begründung von Grenzverletzungen [um dem in Vorbereitung befindlichen französischen Angriff zuvorzukommen, Anm. d. Übers.]. Am 4. August erklärte England Deutschland den Krieg mit der ebenso schwachen Begründung eines vagen Vertrages mit Belgien. Belgien erklärte sich für neutral, war es aber de facto nicht, da es britischen Truppen Landungsrechte eingestand; wie Großbritannien, so hatte auch Preußen noch aus nachnapoleonischer Zeit in Belgien Festungs- und Durchmarschrechte, und die Anfragen des Deutschen Reiches an Belgien, ab dies dort ebenso gesehen werde, blieben unbeantwortet. Und so ging es weiter. Zwischen dem 28. Juli und dem 5. November 1914 gab es 18 Kriegserklärungen an europäische Nationen. Dies schließt die japanische Kriegserklärung an Österreich-Ungarn und Deutschland Ende August ein.

 

 

(Dieser Aufsatz wurde weitesgehend aus Quelle: http://vho.org/VffG/1998/4/Fowler4.html entnommen.)

 

Hermann Rudolph - Terra-Kurier.de / Mai 2017