Gedenken an Hermann

In 2009 jährte sich die Hermannsschlacht, auch bekannt als Schlacht im Teutoburger Wald oder neuerdings öfter als Varusschlacht bezeichnet, zum 2000. Mal.

Für Deutschland eigentlich ein guter Grund, sich mit der Geschichte um Arminius dem Cherusker und dem römischen Feldherrn Varus zu beschäftigen. Die Schlacht, in der ein Achtel des römischen Gesamtheeres vernichtet wurde, leitete das Ende der römischen Bemühungen ein, die rechtsrheinischen Gebiete Germaniens bis zur Elbe zu einem Teil des Römischen Reiches zu machen. Im Jahre 9 sorgte somit der Cheruskerfürst Arminius mit einem erstmals vereinten Germanenheer dafür, dass das Land vor Tyrannei durch römische Besatzung verschont blieb und sich unsere Kultur über die Jahrhunderte frei und eigenständig weiterentwickeln konnte.

 

Bis zum Zeitpunkt des gemeinsamen Kampfes gegen die Römer, agierten die einzelnen Germanenstämme mehr oder weniger eigenständig, also jeweils regional eher für sich. Insofern ist die erstmalige Vereinigung und die daraus erwachsene Stärke, auch wenn dieser Zusammenschluss nach der Schlacht nicht lange von Dauer war, ein Verdienst von Arminius. Er hatte durch seinen jahrelangen Aufenthalt bei den Römern nicht nur deren Kampftaktiken und Feldstrategien erlernt, was denen später als Armin diese umdrehte zum Verhängnis wurde, sondern auch erfahren, dass Macht und Stärke nur dann wirksam umgesetzt werden können, wenn alle Volksangehörigen sich verbünden und einem Heerführer die Befehlsgewalt übertragen.

 

Es ist vor diesem Hintergrund nicht nur die Schlacht und die Person des Arminius (Hermann), die einen Deutschen Mythos geschaffen haben, sondern auch der große Sieg, über eine bis dahin als unbesiegbar geltende Streitmacht. Es ist deshalb das größte Jubeldatum des Jahres 2009. Es liegt indes sehr viel weiter zurück, als jeder bundesdeutsche Parteihistoriker heutzutage blicken kann. Es markiert zum 2000. Male den Beginn der Deutschen Geschichte. Im Teutoburger Wald erinnert seit 1875 das Hermannsdenkmal an diesen großen Sieg.

Das sieben Meter lange Schwert trägt die Inschrift: „Deutsche Einigkeit meine Stärke – meine Stärke Deutschlands Macht“.

 

(s. auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Hermannsschlacht und http://www.hermannsdenkmal.de/ )

 

Der Mythos galt lange als verpönt. Kam er trotzdem zur Sprache, gab es allerbeste Unterhaltung. Da konnte man nämlich ganz erstaunliche ideologische Sprünge erleben: Ausgewiesene Linke schimpften, dass die tumben Germanen sich damals dem „Fortschritt“ verweigert hätten. Außerdem hätten die blonden Feiglinge die offene Feldschlacht verweigert. Die so Redenden, merkten gar nicht, dass sie genauso argumentierten wie die borniertesten Kolonialisten des 18. oder 19. Jahrhunderts: Wir wollten den Wilden die Zivilisation bringen! Und wie haben es uns diese Bestien gedankt? Sie haben sich nicht einmal an die von uns vorgegebene Kampfordnung (in der wir sie problemlos hätten niedermachen können) gehalten. Sehr aufschlussreich, wie problemlos manche Leute die angeblich eigene Meinung wechseln, wenn es nur irgendwie gegen Deutschland geht.

 

Fest steht, dass der Sieg über das römische Heer gewaltige Folgen hatte. Wären die Germanen römisch geworden, hätten sie sich wohl zu dem entwickelt, was der römische Chronist Tacitus knapp ein Jahrhundert nach der Schlacht mäßig taktvoll als „gallisches Gesocks“ abkanzelte. Stattdessen gebar das freie Germanien Generationen nach den Römerkriegen unter anderem das Frankenreich, an dem im 8. Jahrhundert die bis dahin ungebremste mohammedanische Expansion brechen sollte und aus dem nach Karl dem Großen das heutige Deutschland hervorging.

 

Staatsfeiern hat es in der Bundesrepublik Deutschland allerdings keine gegeben. Nicht etwa deshalb, da aufgrund der Krise kein Geld da ist. Nein, diese Germanen haben einen Krieg gewonnen, aber nicht gegen unser Land, sondern für Deutschland. Das ist offenbar in den Augen der derzeit noch agierenden Politiker verwerflich. Einigen wahrlich unheimlich. Das letzte militärschwangere Datum vor dem 20. Jahrhundert, das in jüngerer Zeit offiziell zelebriert wurde, war 1998 der 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens. Bei dem wurden die geschundenen Reste des Römisch-Deutschen Reiches in Fetzen gerissen. Nie wieder lag Deutschland so lange und so gründlich am Boden. Die deutschen Honoratioren würdigten jenen Frieden 1998 als „großen Tag der europäischen Geschichte“.

 

Auch macht die Widerborstigkeit, die Unbelehrbarkeit und der Mut unserer germanischen Ahnen, den Damen und Herren aus der Politversagerriege bange. Außerdem hatten die Germanen so etwas Plebiszitäres mit ihren Thing-Versammlungen unter Buchen und Eichen, auf denen alles beschlossen wurde, statt sich von „weisen Gremien“ und von an sich selbst denkenden „Volksvertretern“ (ver)leiten zu lassen.

 

Heutzutage haben Volksabstimmungen in der Bundesrepublik Deutschland eher den Charakter von Volksbeschäftigung bis hin zur Ablenkung – immer ohne bindenden Auftrag an die Politik. Von Seiten der Politversager wird gar propagiert, dass wenn das Volk nicht so entscheidet, wie es die Mächtigen verlangen, dann sind die Leute eben „an der Fragestellung vorbeigegangen“ und haben sich damit für weiteres Mitbestimmen disqualifiziert. Also schweigen und Vasallendienste im Auftrag der Hochfinanz leisten, eben so wie die Politclowns uns das täglich vorleben.

 

Die Germanen hatten seinerzeit unter ähnlichen Zuständen, auf eine Frage Roms „Wann werdet auch ihr (die Germanen) endlich römische Provinz?“, mit dem Schwert geantwortet.

Lernen können wir aus der Zeit Hermanns, dass die Umstände in denen wir leben uns noch so gewaltig und übermächtig erscheinen können, trotzdem bleiben wir aufrecht stehen und gehen den für uns vorbestimmten Weg.

 

JKS - Terra-Kurier / 15.01.2009 / 17.03.2010