Dresden im Februar 1945 – ein Augenzeuge berichtet

(Der Autor des nachstehenden Artikels, als auch der darin genannte Zeitzeuge sind der TK-Redaktion namentlich bekannt, werden hier aber nicht genannt.)

 

Im Jahre 1990, kurz vor der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl in der DDR, besuchte der Autor dieses Berichtes das erste Mal Dresden und unterstützte damals die Ost-CDU im Straßenwahlkampf. Damals lernte er auch einen Zeitzeugen von 1945 kennen (der dürfte inzwischen allerdings nicht mehr leben, er war damals schon über 70 Jahre alt). Dieser Zeitzeuge war 1990 eine stadtbekannte Persönlichkeit, der wie kein anderer, auch schon zu DDR-Zeiten, die Geschichte seiner Stadt erforschte. Man sah ihn den ganzen Tag mit seinem Fahrrad durch die Stadt fahren, um dort alte Grundstücke und Gebäude zu registrieren und über sie Nachforschungen anzustellen. Als Kurt Biedenkopf Ministerpräsident von Sachsen wurde, stellte er unseren Zeitzeugen als ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger ein (dieser muss vor dem Beginn einer neuen Baumaßnahme das Gelände untersuchen und erst nach seiner Freigabe dürften die Bagger anrollen). Dieser Zeitzeuge hat mir damals viel über die Leiden seiner Stadt erzählt. Im zweiten Weltkrieg befand er sich als Soldat, noch im Februar, nach einer nicht ganz verheilten Kriegsverletzung, zum Etappendienst in Dresden.

 

Der Feuersturm

Als die fürchterlichen Luftangriffe über die Stadt hinwegrollten, hat dieser Mann das alles direkt selbst miterlebt. Als es vorbei war, mussten so schnell wie möglich die Toten verschwinden, wegen der ungeheuren Seuchengefahr. Die Wehrmachtskommandantur teilte nun auch leichter Verwundete wie unseren Zeitzeugen mit ein, diese grausige Arbeit zu erledigen. Er hatte mir unter Tränen erzählt, wie das ablief. An zehn Stellen in der Stadt wurden die Bombenopfer gesammelt und dort verbrannt. Damit das Feuer an die Toten herankam, wurden Eisenbahnschienen wie Gitterroste dazwischen gelegt. Der Zeitzeuge hat das alles mitgemacht und bekam damals innerhalb einer Nacht schneeweiße Haare.

 

     

 

Er berichtete mir aber auch, dass auf jedem dieser 10 Verbrennungsplätze zwischen 20.000 und 30.000 Tote verbrannt wurden. Das ergibt eine Zahl von 200.000 bis 300.000 Toten. Hinzu kamen die Toten, die im Feuersturm sowieso bereits verbrannt waren und die, die man noch identifizieren konnte und deshalb regulär beerdigt werden konnten. Also wird die Wahre Opferzahl nach Angaben unseren Zeitzeugen nahe bei 400.000 liegen.

 

Nahezu unglaublich ist das was dem Zeitzeugen dann später, nach dem Ende der DDR, passierte, als das Deutsche Fernsehen versuchte ihn zu korrumpieren und für Geschichtslügen einzuspannen. Damals drehte der Sender in Dresden eine Dokumentation über die Katastrophe. Der damalige Intendant wollte, dass unser Zeitzeuge, als stadtbekannte Persönlichkeit, ein Begleitwort für diese Dokumentation sprechen sollte. Dabei verlangte man von ihm, dass aus Rücksicht auf die heute mit uns „verbündeten“ Briten und US-Amerikaner die Opferzahlen bei 30.000 anzusiedeln sind. Als stolzer Deutscher hat unser Zeitzeuge dies selbstverständlich verweigert. Der Fernsehsender hat dann ohne ihn gedreht, natürlich unter Nennung der Lügen und mit geschönten Opferzahlen.

 

Die Brunnen

Unser Zeitzeuge kannte auch noch die Geschichte der beiden Märchenbrunnen, die heute wieder mitten in der Dresdener Neustadt auf dem Albert-Platz stehen, ein riesiger Kreisverkehr mit großen Grünanlagen in der Mitte. Die beiden alten Brunnen sind mit Märchenmotiven geschmückt. Im Bombenhagel der Alliierten, so berichtetet unser Zeitzeuge, waren die beiden Brunnen schwer beschädigt worden. Walter Ulbricht ordnete dann 1949 an, dass man die Trümmer entfernen soll und ein Denkmal zur Erinnerung an die Rote Armee aufstellen muss. Abends waren die Reste der beiden Brunnen auseinandergenommen und lagen zum Abtransport bereit. Als am nächsten Morgen die Trümmer abgeholt werden sollten, waren sie spurlos verschwunden. Ulbricht hat getobt, die Stasi und der NKWD haben die ganze Stadt auf den Kopf gestellt, die Brunnenteile blieben verschwunden.

 

Der Albertplatz erhielt dann den „schönen“ Kommunistennamen: „Platz des Sieges der ruhmreichen Sowjetarmee!“ Als dann 1990 Biedenkopf mit seinem Stab, dem auch unser Zeitzeuge als „der Mann in Dresden“ angehörte, auch dort eine Stadtbesichtigung machte, ordnete Biedenkopf an: „Ab Morgen heißt der Platz wieder Albertplatz und dieses scheußliche Denkmal muss verschwinden!“. Einer seiner Mitarbeiter hatte Bedenken und sagte: „Oh, oh, das könnte Ärger mit den Russen geben!“. Und so wurde das Denkmal der Roten Armee nur umgesetzt. Noch während dieser Diskussion meldete sich unser Zeitzeuge zu Wort und sagte: „… und ich kann ihnen sagen wo die Brunnenteile sind!“

 

Diese Geschichte, die sich fast wie ein Roman liest, ist wahr! Der Zeitzeuge und ein Dresdner CDU-Angehöriger haben dem Autor dies so bestätigt. Man muss sich das mal vorstellen. Da gab es eine Gruppe Dresdener Bürger, die haben die Brunnenteile 40 Jahre lang vor Russen, Stasi und sonstigen Kommunisten versteckt. Das nenne ich patriotischen und dennoch gewaltfreien Wiederstand! Heute stehen die Brunnen mit den Namen „Stürmische Wogen und Stille Wasser“ wieder voll restauriert auf ihrem alten Platz, dem Albertplatz.

 

Soweit das ganz persönliche „Dresden Erlebnis“ des Autors, der unseren Zeitzeugen noch heute im Stillen bewundert, da dieser alte Herr, der so viel Leid ertragen musste, sich von nichts und niemand hat Brechen lassen.

Solche Helden, aufrechte Deutsche wie es sie leider nur noch selten gibt, braucht das Land auch heute!

 

HK

 

 

Ergänzung / Nachtrag:

Hier noch einiges wissenswertes über den Albertplatz:

Prinz Albert von Sachsen war auch ein großer Soldat. Im Deutsch Französischen Krieg von 1870/71 kommandierte er eine Bundesarmee aus sächsischen und preußischen Truppen. Er war Sieger in den Schlachten von Gravelotte und Beaumont und er hatte den Löwenanteil an Deutschlands Sieg bei Sedan. Er war es der Kaiser Napoleon den III. in Gefangenschaft nahm und er leitete auch zeitweise die Belagerung von Paris. Er war nach Blücher erst der zweite deutsche Soldat, der von König / Kaiser Wilhelm mit dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde. Kaiser Wilhelm I. ernannte ihn als einzigen Nicht-Preußen der Geschichte zum preußischen Generalfeldmarschall. Im Jahre 1873, nach dem Tod seines Onkels, wurde er bis zu seinem eigenen Tod im Jahre 1902 König von Sachsen. Das Großkreuz des Eisernen Kreuzes, der Stern den Albert unter dem Herzen trägt, wurde nur dreimal vergeben. An Blücher (weswegen man den Orden teilweise auch Blücherstern nennt), an Prinz Albert und an Feldmarschall Mackensen im ersten Weltkrieg. Alles in allen ist Prinz Albert von Sachsen als Namensgeber für diesen schönen Platz mit Sicherheit besser geeignet als die Rotarmisten!